Schlagwörter

, , ,

Stellen Sie sich mal vor, Sie lebten in einem viel zu großen Haus mit einem viel zu großen Garten.

Sie hätten dies in den letzten zehn Jahren genossen, auch wenn der Deckel über der Stadt immer ein bisschen zu grau gewesen sei. Über Letzteres haben Sie gelernt, in den letzten 5 (der 10) Jahre hinweg zu sehen. Einfach, weil inmitten der Hunderttausendschaften nörgeliger Westfalen, einfach so 3-7 wunderbare Perlenmenschen in diesem verregneten Ozeanien aufgetaucht sind. Sie haben also beschlossen, sich hier halt anzusiedeln und jeden Spargroschen in das alte Haus zu stecken. Heraus, heraus mit dem alten Mief.

Aus Holzvertäfelungen wurden große weiße Hallen, aus angestaubtem Plüsch wurde Leder. Die alten Uhren abgehängt und Stiere und Collagen zierten die Wände, die einst von Kinderweinen, ganz grau waren. Einstmals wurde ein Kind hier schwer misshandelt. Und einstmals ging hier eine protestantisch unglückliche Ehe zu Ende. So viele Tränen und damals kein Jugendamt in Sicht, das einen kleinen Jungen gerettet hätte, wenn es schon die Eltern nicht taten.

Und dann irgendwann kam Sonne ins Haus. Mit neuen Kindern und neuem Glück, das auch nicht hielt. Und wieder Tränen. Drum hätten Sie auch das alles übergetüncht, ausgeräumt und verwischt. Im dritten Anlauf wurde alles gut und das Glück hielt und keiner wurde misshandelt. Irgendwer hatte irgendwann vor unserer Zeit beschlossen, die Vergangenheit ruhen zu lassen und hat also selbige im Keller, was ein ehemaliges Schwimmbad war, zu belassen.

Carpe Diem – und ich hasse Kalenderblätter.

Aber hätte jemand die Kalenderblätter abgerissen und einfach die Vergangenheit nicht nur begraben, es wäre besser gewesen.

Denn wir leben in diesem Haus und wollen es möglichst gut verkaufen, um dann endlich auf 1/3 Wohnfläche im Eiland zu leben. Ein Nachtfalter ertrinkt fast im Rotweinglas, hinterlässt Flügelstaub, schüttelt sich und trocknet flatternd seine Flügel. Er lebt und wird doch bald sterben, einfach weil es an der Zeit ist und die Schwester des Mannes fragt, ob man nicht mal Dias aus dem alten, ehemaligen Schwimmbad holen und anschauen könne.

Stellen Sie sich vor, Sie stiegen herab in das alte Schwimmbad und fänden etwas Wasser, das alles ganz leise und still, in aller Ruhe hätte vergammeln lassen.

Carpe Diem – und ich hasse die Kalenderblätter ja eh…

„Es wird Zeit zu gehen“….. längst…. So sage ich mir, als der Mann anfängt, die Vergangenheit ans Licht zu zerren, alte Briefe, Gerichtsurteile und Gutachten zu lesen.

Wir gehen und zunächst haben wir also das Schwimmbad ausgeräumt, die Vergangenheit werfen wir verschimmelt auf den Müll, das macht es leichter….. viel leichter …. Wir gehen einfach.grusel

Advertisements