Schlagwörter

, ,

„Amor vinicit omnia“ schrieb mir vor xyz Jahren eine Schulfreundin ins Poesiealbum. Ich kann lateinische Kalenderblätter noch weniger leiden, als deutschsprachige Kalenderblätter. Dennoch habe ich es mir gemerkt und die Schulfreundin ist immer noch meine Freundin. Gemeinsam haben wir vor hundert Jahren in einem kroatischen Revuetanzensemble getanzt, obwohl ich keine jugoslawischen Wurzeln habe.

Vielleicht habe ich mir ihren Poesie-Eintrag gemerkt, weil ich in meiner italienischen Kindheit lernte, das l’amore… ma oh…. eh alles ist. Jedwede Liebe ist eine rotglühende oder rosigschwebende Huldigung des Lebens. Das wir für etwas brennen, zeichnet uns als Menschen vermutlich mehr aus, als alles andere. Zu schade, dass meine Zunft aus dem Verglühen eine eigene Einnahmequelle gemacht hat. Was gibt es Schöneres, als das Leben zu verehren, es leidenschaftlich zu lieben und es zärtlich zu umsorgen? Es ist mir schleierhaft, wie man es wegwerfen kann, in die Luft jagen vor lauter Hass, erschießen,  zertreten und beenden. Das habe ich noch nie verstanden.

Glaube, Liebe, Hoffnung.… das war der  Schlüsselanhänger meines Autos pendant ma vie camarguaise. So mancher Klugscheißer mag mich für naiv halten. Aber wissen Sie was? Klugscheißer bin ich selbst genug und diese gewisse Portion Naivität lässt mich glauben, lieben und hoffen. Die behalte ich einfach, diese kleine oder auch große Portion.

Nun, da man längst angefangen hat, die Tragödie zu vermarkten, fürchten sich Fußballer und Politiker gleichermaßen, können wir getrost Bürgerrechte zugunsten der vermeintlichen Sicherheit einschränken, rechtes Gedankengut und Selbstgerechtigkeit pflegen…. und bevor das ROT die Farbe dessen annimmt, was ich eigentlich kotzen könnte…. fange ich mein derangiertes Seelchen wieder ein und nehme mir vor, weiterzumachen….

wie immer…..

in der Öffentlichkeit herumknutschen und roten Wein trinken, Liebesschwüre in die Welt hinausposaunen, Erdbeeren in Schampusgläser spucken, Friede-Freude-Eierkuchen singen, an die Widerauferstehung gelegentlich glauben, die Lippen rot anmalen und die Gesinnung ebenso, im Sommer früh aufstehen und dem glutrosaroten Himmel danken dafür, dass ich da sein darf.

IMG_2320

Advertisements