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Nun, da wir  alle nicht mehr Charlie, aber dafür Paris sind, betrauern wir die unschuldigen Opfer. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: natürlich sind die Menschen, denen bei den Anschlägen das Leben genommen wurde, unschuldig.

Wir alle sind irgendwie unschuldig und sind es nicht. So mancher versuchte sich mit der Gnade der späten Geburt heraus zu reden, aus dem Massaker, das von deutschem Boden ausging. Im Herausreden sind wir gut und so unterscheiden wir zwischen Angriff und Verteidigung, zwischen Gut und Böse, zwischen denen und uns, zwischen Attacke und Notwehr, zwischen Sprenggürteljungs und Joystickdrohnen, zwischen archaischen Stämmen und zivilisierten Staaten, zwischen Gott und Teufel, zwischen erlaubt und verboten, zwischen gesund und krank.

Und weil wir so genial im Treffen von Unterscheidungen sind, sehnen wir uns nach Unschuld. Wir wünschen uns weiße Seelchen und träumen von einer Hochzeit in weiß, ganz ungeachtet vom Bratensaft der Sau, der der Braut aus den Mundwinkeln fließt. Wir behaupten, weiße Westen zu tragen und unsere Hände in Unschuld zu waschen, wenn wir den Kindsmörder auf den elektrischen Stuhl schicken und wir breiten das weiße Tischtuch aus, wenn wir das Opferlämmchen verspeisen.

„Wenn man wissen will, was pathologisch ist, muss man den Beobachter beobachten, der diese Beschreibung verwendet und nicht das, was so beschrieben wird“ (Luhmann, 1990)

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