Schlagwörter

, , , , , ,

bin ich mir, da ich feststelle, für die Demokratie völlig ungeeignet zu sein. Eigentlich, in meiner Erinnerung zumindest, war ich immer schon Demokrat. Zumeist musste ich mich mit der Opposition abfinden, aber das war kein Problem. Wir konnten ja Sitzblockaden auf der Startbahn West abhalten, uns wegtragen lassen, oder in Bonn in der großen Masse gegen Salt2 und Pershing laufen und lustige Lieder dabei singen.

Die Eltern waren in Sorge, Freunde wurden verhaftet und also waren wir auf der richtigen Seite. Als irgendwann in den späten 80’ern die NPD in Frankfurt fürs Stadtparlament kandidierte, erklärte ich vollmundig meine Auswanderung, falls die es über fünf Prozent schaffen sollten. Sie schafften es und ich wanderte nicht aus.

Mein Beruf lässt mich von Leistung und Eigenverantwortung ausgehen. Und dann kommt diese braune Mischung aus Leistung und Dauerarbeitslosigkeit, aus Eigenverantwortung und vermeintlichem Opfersein, aus Juristen und ungebildeten Vollpfosten, auf 20%.

Ich schäme mich für uns, möchte die Wähler der Rechtsaußen ausweisen, ihnen das Stimmrecht und die Staatsbürgerschaft entziehen und nein, ich möchte mit keinem von denen diskutieren. Ich bin offenbar auch kein Demokrat. Peinlich, aber wahr.

Mit Verachtung schau ich auf die Schwachen, die auf das Recht des Stärkeren pochen und poche doch selbst darauf, die Schwachen am besten auszuweisen. Sollen sie doch mit Herrn Orban eine einsame Insel beziehen, voller Papp-Zigeunern, die sie verbrennen können, anstatt echte Romadörfer anzuzünden. Wir erinnern uns in ihrer Abwesenheit an unserer Zivilisation, an unsere Ethik und an all das was Gemeinschaft erreichen kann, anstatt uns durch Großkapital und Dummschwätzer spalten zu lassen. Vielleicht retten wir dann die Welt, aber vermutlich tun wir das nicht, einfach weil wir es nicht können und weil das Universum uns erst so wie einst die Dinos, entsorgen muss.

Ich bin mir unsympathisch, denn ich habe meine Toleranz verloren, meine Diskussionsfreude und meine Nachsicht. Nach den letzten Landtagswahlen bin ich im Zweifel, ob wirklich jeder wählen dürfen soll. Natürlich sagt mir mein Großhirn, dass ich mich für solcherlei Zweifel zu schämen habe. Aber mein Stammhirn träumt davon, dass ich entscheide, oder die Wissenschaft, oder wir beide zusammen, wer in Zukunft über die Geschicke der Staaten entscheiden darf.

Peinlich und unsympathisch bin ich. Ist halt so.

Herr, schmeiss Hirn vom Himmel, oder Klugheit, Nachsicht, Vergebung und bitte: Lernen.

qualle1.jpg

Advertisements