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und nun reckt sie sich und streckt sie sich, schaut müde in den Spiegel und findet, dass sie dringend einer Generalüberholung bedarf. Der Winter war lang und sie hat Algen angesetzt, der Lack ist abgeblättert, sie ist verwittert und ergraut.

Jetzt wird geräumt, gewischt, lackiert, gebürstet, gepinselt und Sand aus den Augen gerieben, neu aufgeschüttet und gekämmt.

Der lange Arbeitstag der Inselania hat begonnen und wird erst im späten Oktober enden. Sie hat sich herausgeputzt und die ersten Gäste sind bereits da, stürmen die nun wieder sonntags geöffneten Supermärkte und bevölkern die aufgeräumten Strände. Die Vogelkundler laufen mit ihren Stativen und Ferngläsern im Norden, die Bernsteinsammler im Osten, die Kite-Surfer fliegen im westlichen Himmel und im Süden schleichen Flaneure an der Strandpromenade entlang. Die Geschäfte und das Inselkino sind wieder geöffnet und die Bäuerinnen suchen händeringend Putzfrauen für die samstäglichen Bettenwechsel.

Es ist frisch und noch trägt Inselania ihre braune Strickjacke. Die bunten Sommerkleider müssen noch warten, aber die Himmelsfreundin gibt bereits ihr Bestes. Noch immer finde ich gelegentlich Rosen am Strand und frage mich, wer sie dort hin legt und ob sie noch für die beiden Fischer sein mögen. Im Dorf hat der österliche Wettkampf um den schönsten Vorgarten begonnen, der jährlich von den älteren Ureinwohnern ausgetragen wird.

Morgendlich läuft die Ponyparade wieder durchs Dorf, mit kleinen Stadtmädchen auf den Rücken kleiner Pferde. Rehe bereiten sich auf Geburten vor und die zwanzig Fasanenkerle im Dorf stolzieren über die Straße mit einer Ruhe und Würde, wie nur echte Herrscher sie ausstrahlen. Das möchtegernwindige Tier leidet unter Spondylose und Harnwegsinfekt. Langsam kommt Wärme aber der Winter war zu lang.

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