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… anrief, nachdem ich gestrig heftig an sie dachte, und wir also eine lange Unterhaltung hatten, da dachte ich an so viele vergangene Jahre. Da wir uns vom Blogen kennen, wühlte ich mich also heute durch meinen alten Blog und staunte, als ich die Geschichte der chinesischen Seiltänzerin las, die aufgrund eines gierigen Schmetterlings vom Seil stürzte. Jener hatte leise und zart ihre Seifenblasen platzen lassen, die sie auf ihrer Hochsteckfrisur trug und als sie vom Seil stürzte, landete sie auf einem Sack gerösteter Kröten. Ihr sexuell unentschiedener Freund und Schornsteinfeger nötigt sie, zu einem Inkarnationstherapeuten nach Lugano zu gehen. Unnötig zu erwähnen, dass sie mit dem Inkarnationstherapeuten eine heiße Affäre hat und sich zunehmend in eine Kröte verwandelt. Allerdings kriegt sie die Kurve und kann die Kröten Entwicklung rückgängig machen, als sie einen Stehgeiger kennen lernt, der ihr die Welt zeigt und sie den Sack Kröten vergessen lässt.

Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen. Ich wundere mich nur, dass die Gedankenübertragung mit der Buchhändlerin und engen Freundinnen so gut funktioniert, und ich wundere mich, wie lange wir uns schon kennen und wie sie mir damals bei der dritten Hochzeit Rosmarin und Chilli reichend, assistierte. Auch sie lässt Schmetterlinge um ihr Haupt kreisen und wir parlieren über die Liebe und ich frage sie, wie schmeckt sie wohl die Liebe.

„Nach Orangenvinaigrette“…. antwortet sie mir spontan und seit diesem Moment, lese ich nicht nur die alten Geschichten nach, sondern frage mich, wie wohl die Liebe schmeckt. Für jeden anders natürlich. Das wäre ein feiner Kurzgeschichtenband, der von  jungen, alten, wilden, zaghaften und allerlei Lieben erzählt. Mir fällt unser „Orgasmussalat“ ein, den wir seufzend im Sommer essen und dabei lustig die Augen verdrehen. Ich denke an Parmesan und indische Dal.

Langsam sinkt die Sonne ins Meer und noch leuchten die Augen des alten Möchtegernwindhundfroilleins so strahlend. Ihr Atem geht zunehmend schwer, die Lymphknoten sind nach Ausschleichen des Kortisons wieder dick angeschwollen und nichts kann sie davon abhalten, zwei Hasenkinder im Nest zu verspeisen. Während ich früh morgens noch androhe, sie im Tierheim abzugeben, weil ich keinen Kindermörder im Haus haben will, weine ich abends am Feld leise Tränen. Ich hoffe so sehr auf einen gemeinsamen Winter, wenn wir auf der Sandbank stehen und uns der Atem gefriert, wenn wir abends auf vereisten Feldwegen herumschlittern und die Fußbodenheizung ihren zunehmend merkwürdig verformten Bauch wärmt. So rasend gern würde ich manchmal die Zeit anhalten.

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