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ich darf den russischen Freund nicht „Russe“ nennen, weil er ja schon seit dreißig Jahren hier sei und sowieso immer schon eigentlich Deutscher gewesen sei.

Und natürlich ist er kein Russe, sondern Kasache… aber das darf ich auch nicht sagen. Wie auch immer, er hatte Geburtstag und einmal wollte er ein großes Fest haben. Er, der sonst immer nur schuftet, der seine Kinder zu feinen Erwachsenen werden ließ und seine Enkelkinder vergöttert, Bandscheibe hin und Vorfall her.

Also verließen wir Inselanien und fuhren nach Nietschewo. Das ist dort, wo kleine Kinder auf den Armen ihrer Onkels durch Lüfte fliegen. Das ist dort, wo kleine Mädchen in Tüllröcken um Sektpyramiden flitzen und sich Frauen mit breiten Gesichtern in Glitzer stecken. Auf jedem Tisch steht neben Softgetränken mindestens eine Flasche Wodka. Den benötigt man dringend für die Trinkspiele und lustigen Männerwettbewerbe, moderiert von Schleiertänzerinnen mit Akzent.

In Nietschewo durften wir mit 118 Kasachen bis früh morgens Polka tanzen, einfach weil wir zur Familie gehören, Kasachstan hin und Deutschland her. Morgens um drei gaben wir Frauen auf und betrachteten liebevoll die überlebenden Männer, die eng umschlungen miteinander tanzten, sich zärtlich über die lichten Haare strichen und mit den Fingern schnipsten.

Savoir vivre halt.

wodka

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