Aufatmend…

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entsteige ich dem Zug, umarme den Mann und blinzle in eine verschleierte Sonne. Das alte Hundefräulein springt schon lange nicht mehr hoch wenn ich nach zwei Wochen nach Hause komme. Ein Köpfchen hebt und senkt sich und es dauert zehn Minuten, bis sie das alte Körperchen hoch hievt, um sich sogleich zu meinen Füßen nieder zu lassen.

Die Füße sind weh von hohen Schuhen und herum gestehe. Der Körper ist weh von fiesen Erkältungsbakterien und das Seelchen ist glücklich. Glück ist nicht nur das nach Hause kommen. Glück ist auch die Zeit dazwischen mit zufriedenen Kunden. Und vor allem ist Glück gerade, die Reise in vergangene Leidenschaften.

Nein…. ich war nicht beim Stierkampf. Den habe ich mir abgewöhnt.

Mit liebem und vertrauensvollem Anschub, habe ich mich in die Höhle des Löwen getraut, die mir so lange ein zweites zu Hause war. „Ich bin zu alt“… hab ich gesagt. „Es ist über zwanzig Jahre her“… hab ich gesagt, „meine Füße schaffen das nicht mehr“… hab ich gesagt.

Und… die Füße haben zwar geschwächelt, aber die Arme funktionieren noch ganz gut. Der Kopf hat geschwächelt – darauf war ich überhaupt nicht eingestellt – aber das Seelchen war seelig. Und also habe ich sogleich wieder bei fast Null angefangen, aber Füße und Seelchen schweben im Glück.

 

Und dann begab es sich ja….

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auch schon einmal vor drei Jahren, dass wir spatzierend am einsamen Strand eine „message in a bottle“ fanden.

Auch sie stammte von einem jungen Mädchen, das geschmackssicher eine Glasflasche hübsch vom Etikett säuberte, ein paar kleine Muscheln einfüllte und sogar an ein kleines Holzstäbchen dachte, mit dem der Finder den zusammengerollten Brief aus der Flasche holen können würde.

Das Mädchen war schon vierzehn und hatte ebenso ihre Adresse und Telefonnummer in Briefchen geschrieben und also riefen wir an.

Sie hat sich sooooo gefreut, obwohl ihre Flaschenpost nur wenige Kilometer weit gekommen und auch nur drei Wochen unterwegs gewesen war. Vielleicht hätten wir sie wieder ins Meer werfen sollen. Unsere Neugier jedoch war zu groß.

Je mehr ich darüber nachdenke, umso unwiderstehlicher wird der Drang, auch mal eine Flaschenpost dem Meer zu übergeben.

flaschenpost

 

 

 

 

Und dann liegt sie da so vor einem,……

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voller Verheißung und Geheimnis. Kein Mensch rechnet ja mit ihr, wenn man endlich mal zwei Stunden am Meer entlang spaziert, Herzsteine findet, Glasverwandlungen bestaunt, den Blick nach oben schweifen lässt und mit den Füßen fast auf sie herauf tritt.

Was mag sie offenbaren und bringen?

Eine wunderbare, lebenslange Freundschaft?

Eine geheimnisumwitterte Liebe offenbaren?

Eine Schatzkarte enthalten, die jegliche beruflich motivierte Charmeoffensive verüberflüssigt?

Die Rückkehr der Yedi-Ritter?

Den Traum vom Prinzen?

Ja. Vielleicht am ehesten das Letztere. Ein 10jähriges Mädchen schreibt in dänischer Sprache, obwohl sie in Deutschland lebt. Vielleicht hat sie ihre Post an der Nordseeküste ins Meer geworfen, um einen dänischen Wikinger zu finden, der sie aus allem rettet. Zumindest hat sie ihm ein Bild ihres Hauses gemalt, brav Alter (10), Haarfarbe (blond), Augenfarbe (blau) und Gewicht (31kg) mitgeteilt, ebenso wie ihre Hobbies: Malen, Bäume klettern und erzählen. Damit er oder sie nicht unnötig Zeit auf den einschlägigen Gesichtsbüchern oder Zwitscherbäumen im Internet verbringen muss, hat sie sogleich zwei Handynummern, ihr Mailaccount und auch ihre Adresse mitgeteilt.

Der weltbeste Mann wollte ihr Stifte und ein Federmäppchen schicken und glücklicherweise haben wir dann das Absendedatum entdeckt.

Sie wird bald 16. Und was schickt man einer bald 16jährigen, die vor fünf Jahren eine Plastikflasche ins Meer warf zum Geburtstag? Noch dazu, wenn man sie gar nicht kennt?

Eben…. Wir haben uns also dagegen entschieden, die Flasche mit einer Antwort wieder ins Meer zu werfen und stattdessen das elektronische Postfach genutzt.

Schau’n wir mal…. Wunder gibt’s ja immer wieder.

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Trösten wir uns……….(Rostparade 15)

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denn der Winter ist lang. Noch umgeben uns Dunkelheit und Kälte und kaum halten wir es für möglich, dass schon in einigen Wochen, die ersten Farben aus den tauenden Böden hervor kriechen.

In wenigen Monden bereits, werden wir abendlich wieder am rostigen Feuerkorb sitzen, am Westufer der Insel einen einzigartigen Sonnenuntergang bestaunen, und in der Hand ein gut gefülltes Cocktailglas halten. Dann werden wir Dunkelheit und Kälte längst vergessen haben und uns wünschen, es könnte immer so bleiben.

 

rost-in-gold

 

Am letzten Tag des Monats, folge ich mit Freude Frau Tonaris Rostparade. Bei Ihr sind alle relevanten Ver-Rostungen verlinkt🙂

coming home

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summe ich im Zug von Frankfurt nach Inselanien, das mich eisig aber strahlend empfängt.

Wenn ich nach zwei Wochen festlandiger Jobreisen wieder anlande, quietscht abends mein Ohr. Das liegt an der Stille. Früher, wenn wir nach dem Eislaufen die Schlittschuhe auszogen, dann hatten wir noch lange das Gefühl, weiter zu schlittern und zu schweben, so als wären wir noch auf dem Eis. Bis das Köpfchen endlich die Botschaft der Füße zur Kenntnis nahm, dass man sich wieder auf rutschsicheren Grund befände. Ähnlich ging es mir immer beim Verlassen unseres Segelbootes. Einige Stündchen hatte ich noch Seegang.

Und so also quietscht mein Ohr nach zwei Wochen Verkehrslärm, Menschensprech, Hotelaufzugsgedudel, Bahndurchsagen und diesem allgegenwärtigen Grundrauschen.

Damit das Ohr sich nicht sofort an die Stille gewöhnen muss, sind wir abendlich zur einzigen Kleinkunstlocation, die Inselanien zu bieten hat und lernten zunächst diese bezaubernden drei Barden kennen, bevor die ca. 60 Gäste in einen Rausch aus Jamsession verfielen.


Nun hat sich das Öhrchen erholt und quietscht nicht mehr.

Das möchtegernwindige Fräulein scheint gelegentliche Denkaussetzer zu haben und erkennt ihre zwei Vasallen nicht. Es handelt sich dabei um zwei extrem höfliche Rüden, die dem gestrengen Fräulein durchaus erlauben, ihr Sofa zu benutzen, ihren Garten zu durchrennen, ihr Wasser zu trinken und ihr Futter zu fressen, während sie (also die Rüden) bereits an der Grundstückgrenze des gestrengen Fräuleins von selbigem verbellt werden.

Nun ja, sie hatte immer schon einen eigenwilligen Eigentumsbegriff: Alles Meins.

hasenfus2014

Ein bisschen Insel ist überall….(Inselgeheimnisse 15)

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Lange schon habe ich keine Inselgeheimnisse mehr verraten und so möchte ich nun den Faden meiner Geheimnisverräterei mal wieder aufnehmen.

Das Leben auf einer Insel macht uns Menschen manchmal etwas merkwürdig. Die Versessenheit der insulanischen Nachbarn darauf, die Insel auf keinen Fall (nicht mal zum urlauben) zu verlassen, fand ich lange Zeit sehr merkwürdig. Zunehmend stelle ich jedoch fest, dass mich die Reiserei aufs Festland zunehmend anstrengt und ich die Tage zähle, bis ich das Meer wieder überqueren kann.

Aber ich will nicht lamentieren, denn ich bin grottenfroh, meine Brötchen nicht im Tourismus verdienen zu müssen, oder als Tagelöhnerin beim Bauern, so wie unsere Nachbarn es über viele Generationen taten. Stattdessen ziehe ich munter los, kleide mich wieder städtisch, benehme mich eloquent, parliere modern und gebe mich damenhaft. Mein Wochenende in Mainhatten erlaubt mir, Freundinnen zu treffen. Solche, die ich nie verlor und bei denen ich mich sofort angekommen fühle, auch wenn wir uns viele Monate nicht sahen. Und so laufen wir also den Fluss entlang, fotografieren entzückt die treibenden Eisschollen, lassen die Schickies im schicken Kneip‘chen an der neuen EZB hinter uns, betrachten nackte junge Männer, die in der Eiseskälte ihre Muskeln stählen und wandern in den Osthafen.

honselbrucke

Ich habe Sehnsucht nach Inselanien, nach Mann und Fräulein Möchtegernwindhund. Und also stapfen wir seufzend durch den Osthafen mit seiner Fischereizunft, den Sandbergen, dem Piratenboot und dem ersten frankfurter Schwimmclub mit seinem eigenen Badesee. Und eigentlich all das nur, weil ich unbedingt zur Insel will.

Denn ein bisschen Insel ist überall.

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pssssst…….

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ich darf den russischen Freund nicht „Russe“ nennen, weil er ja schon seit dreißig Jahren hier sei und sowieso immer schon eigentlich Deutscher gewesen sei.

Und natürlich ist er kein Russe, sondern Kasache… aber das darf ich auch nicht sagen. Wie auch immer, er hatte Geburtstag und einmal wollte er ein großes Fest haben. Er, der sonst immer nur schuftet, der seine Kinder zu feinen Erwachsenen werden ließ und seine Enkelkinder vergöttert, Bandscheibe hin und Vorfall her.

Also verließen wir Inselanien und fuhren nach Nietschewo. Das ist dort, wo kleine Kinder auf den Armen ihrer Onkels durch Lüfte fliegen. Das ist dort, wo kleine Mädchen in Tüllröcken um Sektpyramiden flitzen und sich Frauen mit breiten Gesichtern in Glitzer stecken. Auf jedem Tisch steht neben Softgetränken mindestens eine Flasche Wodka. Den benötigt man dringend für die Trinkspiele und lustigen Männerwettbewerbe, moderiert von Schleiertänzerinnen mit Akzent.

In Nietschewo durften wir mit 118 Kasachen bis früh morgens Polka tanzen, einfach weil wir zur Familie gehören, Kasachstan hin und Deutschland her. Morgens um drei gaben wir Frauen auf und betrachteten liebevoll die überlebenden Männer, die eng umschlungen miteinander tanzten, sich zärtlich über die lichten Haare strichen und mit den Fingern schnipsten.

Savoir vivre halt.

wodka

Erika & Rolf…….. (Inselgeheimnisse 14)

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landeten auf Inselanien und keiner weiß, in welcher Form und Größe sie hier anlandeten, oder gar woher sie kamen. Natürlich werden allerhand Geschichten erzählt, aber ich bin ganz sicher, dass sie einem Raumschiff entstiegen, das man optisch auf die örtlichen Gegebenheiten angepasst hatte. Die Bauern behaupten, das hätte immer schon da hinten auf ihrem Grund gestanden. Aber natürlich ist das nicht wahr, ebenso wenig wie die Fake-Annahme zur Mondlandung. Hätte es die Mondlandung nicht gegeben, hätten ja auch Rolf und Erika nicht hier zu uns kommen können.

Vermutlich tippen Sie sich jetzt an die Stirn und zweifeln an meinem Verstand oder bieten mir eine neue Behandlungsform an.

Aber es gibt einen schlagenden Beweis, zu dem ich später zurück kommen werde. Zunächst einmal muss ich sagen: meine Recherchen haben ergeben, dass Erika und Rolf die Insel nie wieder verlassen haben. Vielmehr haben sie sich – aufgrund mir unbekannter Mechanismen und Transformationsmöglichkeiten – uns angepasst. Genau genommen: Sie leben uns gegenüber im Haus 42. Ahh…. Sie erkennen den Zusammenhang! Genau so ist es, denn tatsächlich schien ja die Antwort auf alle Fragen: 42.

Erika und Rolf scheinen mir Formwandler der ersten Generation zu sein. Nicht ganz ausgereift, aber überzeugend. Klein sind sie und rund, fast so breit, wie sie hoch sind. Erika ist schmerzunempfindlich und als sie sich neulich die Finger der Hand im Auto ihres Sohnes zerschmetterte, lächelte sie mich an und meinte, das sei doch gar nichts. Da im Dorf alle zunehmend skeptisch wurden, ließ Erika sich von Sohn 5 zum Arzt fahren, der die Hand sogleich operierte, schiente und verband. Erika lachte und Rolf ebenso.

Rolf hatte vermutlich viel über unseren Planeten gelesen und so probierte er gleich nach seiner Landung: Schnaps. Den fand er so überragend, dass er die Unmengen nur deshalb überlebte, weil er halt keiner von hier ist. In dunklen und kalten Wintern verbrachte er viele Stunden in Straßengräben, bis unruhige Nachbarn ihn heraus fischten. Auch dies fand Erika immer schon eher lustig und eigentlich lacht sie immer, egal was passiert. In ihrem Garten wohnt ein Baum, den es hier so auf Erden nicht gibt. Den Beweis werde ich im kommenden Sommer antreten, sofern es ein Sommer wird.

Dann wird der kleine, runde Rolf wieder ans Meer fahren und stundenlang unendlich viele Fische aus dem Meer ziehen, sie räuchern und unter den Nachbarn verteilen. Die kleine, runde Erika wird unter ihrem extraterrestrischen Baum sitzen und über den Wind lachen, über die Nachbarn und über ihre sieben, kleinen, runden Söhne.

Dort, wo sie –wann auch immer – anlandeten, ist ein kleiner Teich. Vermutlich ist es ihr Landeplatz und vermutlich haben sie lachend bei der Landung extrem viel Hitze abgelassen. Denn bis heute friert der kleine Teich auch bei minus 15 Grad nicht zu.

Sie halten das für giftige Abwässer der Bauern? Dann glauben sie auch, dass unbelebte Materie unbelebt ist und dass Lotto eine Zufallsgeschichte sei.

raumschiff