Der Mai…(Rostparade 21)

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ist gekommen. Ahaaaa??? Ja????? Die Urlauberin im dreiweiterHaus auch. Tief in der Nacht und sehr laut. Jö…. das muss am vielen Regen gelegen haben.  Alles nass, aber das stört die Urlauberin im dreiweiterHaus nicht besonders.

Mich schon. Also die Urlauberin stört mich. Und die Tatsache, dass unser Maifeuer ins Wasser gefallen ist. Abgesagt wegen Starkregen und Wind. Na, ich weiß nicht, ob der Mai wirklich gekommen ist.

Die Freundin aus dem Osnabrücker Land tröstet mich mit Sonne, Blumen und Rost. Aber ich bin untröstlich und bade in einem Meer aus übler Laune.

 

aprilrost

 

Am letzten Tag des Monats  folge ich mit Freude Frau Tonaris Rostparade. Bei Ihr sind alle relevanten Rostungen verlinkt🙂

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Grenzziehungen…….(Rostparade 20)

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Egal, ob man diesseits oder jenseits einer Grenze steht,

ob man auf einer Grenze steht oder sie überschreitet.

Es bleibt eine willkürlich eingefügte Differenzschaffung.

 

feb rost

 

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Nackt……

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liegt die Insel in Grau und Braun und schlägt mir schwer aufs Gemüt.

Kein Wort will heraus aus mir, während ich vor Palmas Sessel sitze und mir die Augen aus dem Kopf und ganze Phantasiewelten hinein lese. Ich lese exzessiv gegen Grau und Braun und hebe nur den Blick, um auf das im Sessel wohnende Hundchen zu werfen.

Aber ich reiße mich zusammen und starte das, was ich am meisten hasse: Frühjahrsputz. Vielleicht hilfts ja nicht nur dem Haus, sondern auch der Seele.

rosischaut

Marmor Stein und Eisen……….(Rostparade 19)

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bricht….. manche Liebe auch, manche Liebe nicht.

Ein Monument aus rostenden Beton und einer rostfarbenen Pflanzenkrone erinnert an eine unbekannte Liebe. „Die schönste Zeit meines Lebens verbrachte ich hier mit Dir“ schrieb ein Mensch und nagelte die gewichtigen Worte an den Betonpfeiler am Meer. Dort setzen sie Algen und Rost an, vergehen aber nicht.

rost feb18

 

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Mit geschlossenen Augen….

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stehe ich am Bahnsteig und ignoriere die gefühlten 20 Mütter mit den gefühlten 30 Kindern und dem dazugehörigen Reisematerial aus Koffern, Buggys, Rucksäcken, rosafarbenen Puppenwagen, Teddys. Sie treten ihre Rückreisen aus der Eltern-Kind-Kur an. Einige brüllen und eine Mutter schimpft „die schlechte Laune lässt Du auf der Insel“. Gott bewahre – denke ich. Ein paar Zöllner stehen noch herum und also wird sich die Abreise verzögern, da sie erst den Zug durchkämmen werden, der gerade mit der Fähre aus Dänemark angeschippert kommt.

Ich setze mich zu einer italienischen Mutter mit ihren zwei wahnsinnig gut erzogenen Kindern und lausche ihnen sehnsüchtig, was sie nicht wissen können, was aber auch egal ist, denn die Kinder freuen sich an vorüberziehenden Pferdeherden, Schafherden und dem verbliebenen Schnee.

In Hamburg steige ich dann in den großen Zug, der mich nach Bankfurt bringen wird. Mit mir im Speisewagen sitzt der lustige TV-Arzt und telefoniert munter, während ich mir seine spitzen Schuhe aus Schlangenleder betrachte und zu lesen vorgebe. Der Blick in die Bordküche ist nicht wirklich appetitlich und die Toilette schwimmt in etwas, das ich nicht wissen möchte. Das hält einen jungen Mann nicht davon ab, in seinen Socken die nasse Toilette zu betreten und ich kriege Kopfkino. Sehe Bakterien, die er in die Wohnungen seiner Gastgeber trägt, weil er bemüht höflich, natürlich die Schuhe ausziehen wird usw. usw. usw. Der Frankfurter Bahnhof mit seinem Dreck, den Tauben und den schlurfenden oder hetzenden Gestalten trägt nicht zu meiner Entspannung bei. Die schlurfenden Gestalten das sind die, die Dich um einen Euro anbetteln, die nach Pfandflaschen wühlen oder mit zerrissenen Klamotten in einer Ecke am Boden liegen. Die hetzenden Gestalten das sind die Gewinner mit den guten Klamotten und den teuren Schuhen, die glücklicherweise nicht wissen, was sie noch alles erleben werden im Laufe ihres Lebens.

Mich befällt ein leichter Ekel und ich wünsche mich zurück aufs eisige, einsame Eiland.

pilz

 

Nur mal so….

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frage ich mich natürlich täglich viele Fragen: Warum ist es so wie es ist? Warum habe ich die Geduld für Schreiben nicht mehr? Wie verarbeite ich das ganze Sterben um mich herum? Warum schreibe ich nicht über meinen italienischen Onkel, der mir so unendlich viel Freude in meinem Leben geschenkt hat? Warum schreibe ich nicht über den schwäbischen Onkel, der mich so viel gelehrt hat? Warum schreibe ich nicht über Hannah, die gerade um ihr Leben kämpft, während ihre drei kleinen Kinder nicht wissen, ob der Tumor oder die Metastasen die größeren Feinde sind?

Ich weiß es nicht. Ich hänge mich lieber an der Erklärung der kleinen Fragen auf. Während ich mit Palmita am Strand entlang laufe und mich freue, dass keine Menschen weit und breit zu sehen sind, lösen wir die Fragen, die Schilder aufwerfen.

schild

Unserer unbescheidenen Meinung nach….. meint dieses Schild:

  • weil der Strand im Sommer bewacht sein wird….
  • dürfen Hunde nicht an der Leine laufen
  • dürfen Fische nicht an der Angel hängen
  • dürfen auch Drachen nicht an Seilen vom freien Flug abgehalten werden
  • dürfen Surfer nicht nach rechts abbiegen
  • dürfen Kiter nur ohne Drachen nach rechts fliegen

 

 

 

Eine ganze Woche….

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ist das Koboldchen nun schon bei uns und hat sich rasant entwickelt.

Die aufregende Abholung des Tieres, das dann insgesamt einen 35 stündigen Transport hinter sich hatte, verglich eine Freundin mit Schwangerschaft und Geburt. Das finde ich etwas hoch gegriffen, aber die Hormone spielen scheinbar trotzdem verrückt. Beim Öffnen der LKW-Türen schossen mir Tränen in die Augen und seitdem habe ich fast eine geschlagene Woche mit Beobachtung des verschüchterten Koboldchens verbracht. Die Innenraumkamera zeigte uns abendlich, wenn wir im Nebenhaus saßen, ein neugieriges und keckes Tier. Jede Menge Oxytocin muss sich in mir ausgebreitet haben, denn die Abreise aus Inselanien fiel mir wirklich schwer.

Nun schickt der Mann täglich Fotos und Videos, während ich die nächsten 9 Tage wieder quer durch unser schönes Land fahre und mich bemühe, geschäftig, eloquent und umwerfend zu sein. Schnell lese ich Schlagzeilen nach, die mich eigentlich nicht wirklich interessieren. Meine Batterien haben sich im letzten Jahr doch deutlich mehr entladen, als ich das wahr haben wollte. Es war nicht nur der Tod der Möchtegernwindigen, sondern vor allem ihr langsames Gehen, das Sterben, das eigentlich ein halbes Jahr dauerte. Dazwischen zu viel Besuch, viele Arbeitsreisen, und immer wieder den Blick auf das langsame Gehen des Seelentiers.

So sitze ich eine geschlagene Woche vor dem Koboldchen, das nun auch im Beisein des Mannes sich zu einem Kletteräffchen entwickelt, das munter vom Sofa auf den Sessel klettert, vom Sessel auf den Tisch und das entdeckt hat, dass man mit Schwänzchen wedeln kann. So saß ich wie in einer Blase aus stillstehender Zeit und benötige nun all meine verbliebene innere Kraft, um umzuschalten ……

Beobachterin

1…. 2…. 3….

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im Sauseschritt ist La Palmita bei uns angekommen.

Glücklicherweise – so denke ich – habe ich noch einige Tage zu Hause, bevor ich wieder beruflich los düse und Mann und Palma alleine auf Inselanien lasse. Ich möchte die Tage mit dem armen kleinen Hündchen in aller Ruhe beginnen.

Das schwer traumatisierte Hündchen (Messie, Animal Hording, Schwangerschaften, Angsthund) zeigt bereits am ersten Tag was man erwartet hat. Um sie zu entspannen, haben wir das Haus verlassen und sind ins Nebengebäude gegangen. So tun wir das täglich und staunen, was in diesem Wesen steckt, wenn es sich alleine fühlt: Es steigt steile Stiegen, es klaut Parmesan vom Esstisch, es zerrt Turnschuhe auf den Sessel.

Palma trägt ein Sicherheitsgeschirr und ist dreifach gesichert. Sieht voll bescheuert aus, insbesondere bei so einem kleinen Hund. Wir üben….. Leine. Panik pur und ich lerne am ersten Tag, das ein kleiner zotteliger Feudel einen Meter hoch springt, um eine Schraube zu drehen, nur um zu fliehen und in den sicheren Tod zu gehen. Das Tier wird trotzdem dreimal am Tag an der Leine auf dem Popo rutschend in den Garten gezogen. Nasses und Festes geht trotzdem in die Bude….. wie sollte sie es auch anders wissen. Das wird noch Wochen dauern.

An Tag Zwei….. geht sie auf den eigenen Beinen an der Leine mit in den Garten. Sie findet es gruselig und weiterhin beobachten wir von draußen durch das Fenster was in ihr steckt, wenn sie sich alleine wähnt. Abendlich löst sie sich innerhalb von 20 Sekunden ……trotzdem nimmt sie Blickkontakt auf, frisst Leckereien aus der Hand, erkundet erneut den Esstisch und frisst den Rest nächtens, während wir schlafen.

Tag Drei…. hält neue Überraschungen bereit. Während die versteckte Kamera läuft, löst sie sich erstmalig im Garten, schnuppert, erkundet ihre neue Welt. Erstmalig frisst sie in unserem Beisein…., läuft uns im Haus hinterher und flitzt erst nach 2-3 Minuten in ihren Sessel. Dort schnarcht sie und träumt schwänzchenwedelnd. Palma ist angekommen und wir auch.

Schritte, die wir erst in Wochen angedacht hatten….. während der weltweite Wahnsinn weitergeht, geschehen hier in drei Tagen.schuhdieb

Faustdicke Liebe….

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….auf den ersten Blick.

So wie Heide auf David-Bowie-Typen stand, dann aber Thorsten heiratete, so stand ich auf große, glatthaarige, windige und lustige Hunde.

Trauer dauert viele Jahre. Fünf Jahre hat es gebraucht, bis ich den Namen meines ersten früh verstorbenen Hundes aussprechen konnte, ohne in Tränen auszubrechen. Trotzdem zog nach zwei Monaten die Möchtegernwindige ein.

In vielen durchweinten Nächten, schaut man dann gelegentlich auf den einschlägigen Tierschutzseiten die armen Fellnasen an und findet alle rettens- und liebenswert. Sardische Hunde, Galgos, Podencos und schließlich Viszlas…. alles fein…. bis auf den Moment, in dem ich zwei wirklich traurige Augen anschaue.

Liebe auf den ersten Blick. Klein, zottelig, traumatisiert, ängstlich und deprimiert. Nicht mein Beuteschema….aber wo die Liebe halt hin fällt. Es folgen viele Anstrengungen, Tierschützer, Vorkontrollen, Fluginformationen und dann doch Autotransport.

Kurz vor der Abholung ein Seelenschaumbad (so würde die Freundin D. aus Ö. sagen), bei einer Freundin, die uns von vorne bis hinten verwöhnt und unsere Vorfreude und Aufregung teilt. Schließlich rasen wir mit dem 26 Stunden gereisten Messie-Opfer weitere fünf Stunden gen Inselanien. Das gerettete Mütterchen schaut, frisst, schläft…. wir sind selig und erleben am Folgetag sehr lustige Überraschungen…..

Endlich, gibt’s neue Hundefotos und die Möchtegernwindige hat alles abgenickt und mit ihrem Segen begleitet….. (Sie können jetzt von mir denken was Sie wollen, tun Sie eh…)

ankunft1

Liebe auf den ersten Blick….

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…..so muss das gewesen sein, als meine kürzlich verstorbene Freundin Heide vor zwanzig Jahren ihren Thorsten kennen lernte.

Heide war meine Freundin zu Studienzeiten und auch noch darüber hinaus. Sie war klein, gertenschlank und immer nur unglücklich verliebt in zarte Psychologiestudenten oder aber in androgyne Betriebswirtschaftler und Juristen, die Dawid Bowie hätten den Bruderkuss geben können. Am Ende war sie immer unglücklich und so kam die multiple Sklerose in ihr Leben. Wir alle – Mitte Zwanzig – waren geschockt. Als sie sich nach dem ersten üblen Schub erholt hatte, begann sie eine Ausbildung zur Familientherapeutin und lernte Thorsten kennen. Thorsten war nicht zart sondern laut, nicht androgyn sondern kräftig, nicht reflektiert sondern schlau und selbstverliebt. Ich mochte ihn nicht. Als erste Amtshandlung hat er unsere Freundschaft mit Erfolg hintertrieben. Er behauptete, dass ich während unseres Pizzeriabesuches mit ihm geflirtet hätte. Heide fand das auch und war mir böse. Ich habe Monate gebraucht, um herauszufinden, warum sie sich so zurückzog. Meine Geschichte ist eine andere. Ich war gerade aus Andalusien zurück, glühend, erzählend, und freundlich mit Thorsten, einfach weil er Heide, meine liebe Freundin glücklich machte.

Ich habe dann ehrliche Worte gefunden und Heide erklärt, warum ich so nett zu ihm war. Man könnte ihn mir noch in hundert Jahren, wenn Männer mal ausgestorben sind, um den Bauch binden, er war nie mein Fall….. wie also hätte ich mit ihm flirten können.

Heide akzeptierte meine Erklärung und also wurde alles wieder kurzfristig gut, bis zu ihrem nächsten, übernächsten und überübernächsten Schub. Thorsten wurde ihr liebevoller Pfleger, Heide konnte nicht mehr sprechen, nicht mehr alleine trinken, kaum noch atmen. Jeder Blick, jedes Seufzen musste von Thorsten übersetzt werden. Das ging für mich irgendwann nicht mehr, weil ich mit seiner Besserwisserei nicht mehr klar kam.

Nun, zehn Jahre später, habe ich mit Thorsten telefoniert. Er hat sich dann scheiden lassen vor einigen Jahren, weil auch die Familie alles besser wusste und Heide zerrieben wurde, zwischen all den alleswissenden Ärzten, der Familie und dem Gatten. Jämmerlich ist sie im Hospiz erstickt. Von ihren 53 Jahren, waren 28 Jahre nur ein großes Leiden und Verschwinden. Das ist ungerecht, wie so vieles im Leben. Nichts ist gerecht und mich nerven die Leute, denen es eigentlich gut geht, die aber immerzu klagen darüber, dass das Leben ihnen gegenüber noch was schuldig sei.

Eigentlich wollte ich das alles gar nicht aufschreiben.

Eigentlich wollte ich einen lustigen Text schreiben über Beuteschema und Realität. Eigentlich wollte ich über große, glatthaarige und lustige Windhunde schreiben. Und darüber, wie mich kleine Äuglein, aus ängstlichen, kleinen, zotteligen Leibern anschauen, und ich mich dann in jemand anderes verliebe, als ich mich sonst je vierliebt hätte. Und so bin ich dann bei meiner verstorbenen Freundin Heide gelandet. Die mit dem un-androgynen Thorsten lange glücklich war und dennoch so früh verstarb.

Von dem anderen Thema, dann also ein andermal….

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