Das Liebste mussten wir weg geben….

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auf die Art, die ich um jeden Preis vermeiden wollte. Und dann war der Preis doch zu hoch und wir standen am Feld, die Nasen in die Sonne gestreckt und ich flüsterte meinem Herzenswesen zu, dass unsere Wege sich nun trennen würden.

Dann rief ich die herzallerliebste Tierdoc, gab meiner herzallerliebsten Seelenfreundin Beruhigungstabletten und sah, wie sie gleich danieder sank.

Autopilot. Durchhalten und das eigene Herz weiter schlagen lassen, während ihres die tödliche Spritze bekam.

Aus der Seniorenresidenz wurde die Pflegestation und nun die Palliativstation.

Die Beine, die Nieren, der Rücken, die Zähne, die Haut…. alles versagte….. nur das starke Herz nicht.

Zu viele Kilometer, zu viel Rennerei, zu viel Windhundrennbahn …..und unendlich viel Lebensfreude haben das Herz gestärkt…. und der alte Rest konnte nicht mithalten.

Vieles ging im letzten Jahr nicht mehr…… und doch ging Fürsorge, Lachen, Fotos machen.

Nun geht nichts mehr.

Ich habe meine Seelenfreundin töten lassen und doch hätte der Ausweg „Quälerei“ geheißen.

Nun schreie ich den Mond an. Ich will sie zurück.

Und habe so viele Wochen den Stimmen im Dorf nicht zugehört, die von mir Spritzen, „Gehen-lassen“ und anderen Unsinn verlangten. Habe Augen rollend die Angebote der ländlichen Wunderheiler ausgeschlagen, weil es gegen Alter keine Wunder gibt. Habe ins Universum geflüstert und um Herzschwächeln gebeten.

Am Ende kommt die Tierdoc und bringt mir zum Töten ein Rosmarin-Sträusschen mit weißen kleinen Blumen.

Sie wusste nicht, dass Meertau „Rosmarin“ bedeutet. Sie kennt die alten und neuen Blogs nicht. Sie wusste nicht, dass Rosmarin „Romero“ bedeutet und dass die andalusischen Zigeuner ein Rosmarinsträußchen am Revers tragen. Sie wusste nichts von meiner andalusischen Zeit, vom Romero im Großvater und in der Seelenfreundin, und brachte dennoch Rosmarin.

Das tröstet mich, während ich schreie. Ebenso wie mich liebe Zeilen von Freunden trösten. Kurzfristig.

Die Tierdoc hat etwas Schönes gesagt, nämlich dass man eine so schöne und lange Zeit miteinander hatte, macht den Abschied nicht leichter. Im Gegenteil.

rosmarin

 

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Das Rad der Zeit….. (Rostparade 17)

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…ist ein nimmermüdes, ewig laufendes, tapferes Dingelchen.

Es rennt, stolpert und schleicht durch unser aller Leben und wir betrachten es mit Staunen, Freude oder auch Ärger. Diesjährig im August nun geschah es, dass das Rad der Zeit eine kleine Pause benötigte. Es übergab seine Aufgaben dem Zahn der Zeit und rollte müde nach Inselanien. Dort hat es einen Freund gefunden, an dem es sich in Ruhe anlehnen kann, während es sich eine frische Brise um die Narbe wehen lässt und verträumt aufs Meer schaut.

rost august

 

 

Am letzten Tag des Monats (und manchmal auch erst am Tag darauf) folge ich mit Freude Frau Tonaris Rostparade. Bei Ihr sind alle relevanten Ver-Rostungen verlinkt🙂

Eat Pray Love

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Die Tage fließen und ich lerne, wie langsam Sterben gehen kann. Meine Nerven beruhige ich mit Lebensmittelexperimenten, wie ich das Ausprobieren neuer Rezepte nenne. Ich konzentriere mich auf Thunfisch im grünen Tee, Ananas in Fischsauce, Parmesan im Keks und Knoblauch in roten Beeten. Das Dorf schüttelt den Kopf über das klapprige Methusalem’chen und fragt mich, wann ich endlich eine Spritze bereit halten will. Ich schüttle den Kopf. Es braucht keine Erlösung, wie man das so schön umschreibt. Ich werde das Methusalem’chen erst töten lassen, wenn es wirklich nach Erlösung ruft. Bis dahin blicken wir schweigend den Kaninchen hinterher und ich schicke meine Wünsche ins Universum, dass es das geliebte Tier einfach schlafend zu sich holen möge.

alles Liebe

Derweil kommt spontan der liebe, schon so lang nicht gesehene Freund mit der bezaubernden Tochter angefahren. Wir führen hochtrabend und lachend Spinnendialoge, essen ehrlichen Fisch und lösen ganz ohne Karma-Charger die Rätsel der Welt, indem wir sie für unlösbar halten.

„Leben ist ja halt auch Teil vom Leben“ resümiert der Freund und wir nicken stumm, am Weißwein nippend.

Die verliebte Malerin reicht mir ein blühendes „Sonnenkind“ zur Adoption an, das der Mann sogleich im Garten beheimatet. Der Löwenhund der Lieblichen entdeckt für sich die Schmackhaftigkeit der Blätter des Sonnenkindes und wird auf die Wiese vertrieben, wo er sich zufrieden schnarchend, mit dem im Auge behalten des Sonnenkindes begnügt.

Die Rosenhochzeit verbringen wir im liebestollen Café und wundern uns, wo die Zeit geblieben ist. Ich weiß es nicht und fast hielte ich sie für ein Hirngespinst, wenn mein Spiegelbild mich nicht vom Gegenteil überzeugte.

Röslein

Ich schreibe nicht,….

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denn ich benötige dringend Urlaub von mir selbst.

Einen Kokon habe ich mir gebaut aus schlechten Filmen und billigen Büchern. So liege ich auf der Couch mit dem Blick auf das windige Fräulein. Die Nachdenklichkeiten halte ich so im Zaum und die Tränen weine ich nachts auf dem Feld, während ich mit dem Oberschenkel das wackelige Hündchen stütze und vor dem Umfallen bewahre, während ich klagend auf blutroten Vollmond starre.

Tagsüber kicken Kinder Fußbälle an Hofwände, läuft die Ponyparade mit seligen Urlauberkindern durchs Dorf, scherze ich mit den Verkäuferinnen im Supermarkt meines Vertrauens, drücke ich mich um Schreibtischarbeiten herum. Schwalben fliegen zu hunderten die Häuser an und ich wünsche mir einen Lottogewinn, um ihnen paradiesgleiche Behausungen bauen zu können. Der alte Hannes bekam einen Zahn gezogen und erzählt von früher, als er 60 Kaninchen und 30 Hühner besaß. Damals hatte man die zum Essen. Heute hat man Meerschweinchen und Kaninchen für die Urlauberkinder, deren Muttis zu Hause Sagrotan haben, die aber finden, dass die Kinder ein bisschen Zeit in der Natur verbringen sollten. Mir fällt meine italienische Kindheit ein, in der die Hausfrauen samstags auf dem Markt lebende Hühner kauften, sie mittags in kochendem Wasser töteten und dann in den Garagen rupften und ausnahmen.

Warum alles so ist, wie es ist, wird mir auf ewig ein Rätsel und verschlossen bleiben und manchmel will ich es auch gar nicht mehr wissen. Kai…. die mörderische Zitterspinne, die Amanda (die andere mörderische Zitterspinne) mordete, nachdem sie ihn in ihr Reich (was eigentlich meines ist) eingelassen hatte, ist übrigens verschwunden. Vermutlich ist er ausgewandert oder fiel einem unsichtbaren und rachsüchtigen Gespenst zum Opfer.

Der weltbeste Mann verrät mir sein Hochzeitstaggeschenk eine Woche zu früh, schwärmt von seinem Schwarzwaldtrip und erläutert mir die tiefe universelle Bedeutung des Cis.

Ich verpuppe mich und habe keine Ahnung, wer am Tag X aus der Schale hervor kommt. Vermutlich werde ich es sein. Anders und doch wie immer schon.

Bei all meiner Traurig- und Nachdenklichkeit bin ich dennoch ein Glücksschäfchen, wie der längst verstorbene Paule immer sagte.

Mein persönliches Glücksschwein jedenfalls ist mit Zetteln schon gut gefüllt. Morgens, wenn das Getreide wieder von der herbstlichen Nacht getrocknet ist, fahren die Traktoren. Die Bauern holen die Ernte ein und fahren bis weit nach Mitternacht. Auch das empfinde ich als Glück und liebe den Lärm im August.

Ahoi…. ich bin dann wieder verpuppen…..

pig

„Drei…. Ist einer zu viel…..“

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….dachte ich vor einigen Wochen, als Amanda zwei weitere Mitbewohner einziehen ließ. Mir war das gar nicht recht und ich säuerte still vor mich hin. Eine Untermieterin war für mich immer in Ordnung, sie machte sich nützlich und fiel nicht weiter auf. Aber drei? Das fand ich richtig dreist. So wie Amanda, haben sich auch die beiden anderen bei ihrem Einzug mir nicht vorgestellt. Ich nannte sie Kai und dieKleine.

Natürlich währte der Friede nicht lange und bereits nach zwei Nächten hatten Amanda und Kai dieKleine ermordet. Es folgten Tage der Zweisamkeit, in denen die beiden füßelnd beieinander saßen. Ich muss allerdings zugeben, sie sind mir fremd und vielleicht bedeutete das zarte Füßeln in der Zitterspinnenwelt auch einen Kampf auf Leben und Tod.

Sie bezogen daraufhin unterschiedliche Ecken unseres Badezimmers und ich dachte tagelang darüber nach, wen ich zuerst meucheln sollte. Es drohte Zitterspinnenbrut in der dritten Ecke des Badezimmers. Aber mal ehrlich: könnte ich Kinder töten? Nein, definitiv nicht. Amanda hatte die älteren Rechte, sah aber eh ihrem Ende entgegen, da Zitterspinnen in der Regel drei Jahre alt werden und die hatte sie locker auf dem Spinnenbuckel. Aber soll ich Alte vor den Jungen töten? Nein, das ist ja irgendwie faschistoid. Also blieb der Staubsauger brav am Boden.

Während der üblichen Dienstreisen schickt er Mann ein Trauerfoto angeblich von Kai, den Amanda frisch verschnürt hatte. Bei meiner Rückkehr allerdings musste ich feststellen, dass es genau anders herum war: Kai hatte meine Amanda gemordet und hat mein Badezimmer nun in Besitz genommen. Der Laie fragt sich, was mein Gesülze soll, aber gelegentlich entdecke ich einen ganzen Kosmos in der Zitterspinnenwelt oder aber auch des im Untergrund arbeitenden Brennesels und übe mich in Gelassenheit und Tapferkeit. Ich schrubbe das Haus, fahre durch die Republik und richte Gästebetten. Ich verbiete der Mutter zu viel Gefühl, weil ich meinen eigenen Schmerz niederkämpfe. Ich gebe die Parole aus, erst zu trauern, wenn das Möchtegernwindhundfräulein wirklich die Ebenen gewechselt hat. Täglich bei ihrem Wenigerwerden zuzuschauen ist hart und ich gebe mein Allerbestes im Coolbleiben. Und dennoch schwingt in mir ein dumpfes Gefühl, so als ob demnächst ein Krieg ausbrechen wird.

10.juli

Geschmeidige Tage…

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liegen hinter uns. Wir feierten einen sechzigsten Hochzeitstag in der Nachbarschaft.

Ich lernte das Kränzen und werde nun aus Gründen der Privatsphäre hier keine Fotos dazu posten, aber es sah geil aus und die Kinder, die mein Alter haben, haben uns in die Familie aufgenommen.

Das windige Fräulein bekommt Herrenbesuch, der von Andalusien über meine rosenheimer Freundin bis hoch nach Inselanien fährt, um sie noch kennen zu lernen bzw. noch einmal zu sehen. Entgegen all meiner Befürchtungen (das windige Fräulein war nie gastfreundlich was andere Artgenossen angeht) erleben wir entspannte, geschmeidige Tage und schwimmen im Meer.

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Wir spielen im Supermarkt Fangen, scherzen mit der Fleischereifachverkäuferin über zu vergrabenden Schinken, irritieren einzelne Herren an der Kasse und werfen uns scherzend Beleidigungen an den Kopf, bevor wir die Fußnägel bunt streichen und sehr andalusisch mit Rotwein und dem männlichen Wäschemodel aufs Meer blicken. Fast schon habe ich das langsame Sterben des Fräuleins vergessen.

Morgens um sechs ist der Spaß vorbei und die Freundin tritt die Rückreise nach Bayern an. Schniefend wechsle ich die Bettwäsche, um sogleich wenig später, die teutonische Herzensfreundin mit den beiden Labradordamen zu empfangen.

Das windige Fräulein erkennt ihre Kindheitsfreundinnen nicht. Die Nieren vergiften das Gehirn und ratlos und stumm sieht sie dem Besuch entgegen. Der wiederum traut sich kaum ins Haus, weil er die Nichtbegrüßung nicht gewohnt ist und nicht verrechnen kann. Dennoch haben wir innige, entspannte Tage und der Abschied tut unendlich weh. Die Freundin mit den teutonischen Hundedamen wird bald schon zurückkehren. Vorsichtshalber herzen sie das windige Fräulein und wir weinen.

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Tagsdrauf packe ich die Koffer und kehre arbeitend aufs Festland zurück. Ich übe weiterhin Tapferkeit und tu so, als wenn fast nix wär. Ich lausche Jugendlichen in der S-Bahn von Bankfurt nach Sonstwo.  Erfahren klingt der 14jährige als er behauptet, vierzig Jahre im Krieg gewesen zu sein. Damals vor x-tausend Jahren, als die Feinde, die Leichen noch per Katapult zurück schickten. Da ich nicht von Wiedergeburt ausgehe, wird mir relativ schnell klar, dass die Jungs von Computerspielen sprechen und staunend bewundere ich die neben mir sitzende Klassenlehrerin, die sich freundlich ironisch über die Krankheitsrate der Zehntklässler in der Projektwoche wundert. Ich wundere mich auch über zunehmend vieles und stehe ratlos in meinem Leben herum.

Still…..

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durchlebe ich die letzten zwei Wochen.

Ich habe keine Worte und also lerne ich stumm…..

kränz1Erstmalig bin ich dabei, anlässlich einer Hochzeit das Kränzen zu lernen und finde mich in der Sckränz2heune einer Bäuerin ein, um mit anderen Frauen den Kranz zu binden.

Dies ist äußerst praktisch, denn in der kommenden Woche wird erneut gekränzt, diesmal zur diamantenen Hochzeit meiner Nachbarn und da muss ich dann wieder ran.

 

Relativ stumm durchlebe ich den nun beginnenden Besucheransturm. Einige Freunde erinnern sich zu gerne im Sommer daran, dass man uns länger nicht gesehen hat. Dies freut mich einerseits, doch andererseits hatte meine Mutter halt doch recht, die das mit dem Fisch vergleicht, der bekanntlich nach drei Tagen stinkt. Mir stinkt die fröhliche Urlaubsstimmung der vermeintlichen Freunde, die sich gerne von uns die Brötchen zum Frühstück holen lassen und im Brustton der Überzeugung sagen, wir sollten uns bloß keine Umstände machen. Ich übe das und frage abends ratlos, was wir eigentlich essen wollen. Ich gewöhne es mir ab, andere zu bewirten, denn dies ist mein zu Hause und keine Pension.

Mir stinkt die ausgelassene fröhliche Stimmung der Gäste, die über den müden Hund latschen und nicht bemerken, wie unendlich schwer mein Herz ist.

Tagsüber verkriecht sich das abmagernde, demente Hündchen in ein grünes Nest und beobachtet mich, wie ich da in der Sonne sitze,  das Geplauder der Gäste an mir vorbeirauschen lasse und dem Hündchen in die Augen schaue.

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Abends starrt das demente Hündchen fünf Minuten in eine Steckdose, so als würden dort alle großen Fragen beantwortet werden. Enttäuscht wendet es sich dann ab und sinkt in die Kissen. Auch die Steckdose weis keine Antwort.

Falsch lächelnd bringen wir die vermeintlichen Freunde zur Strandbar. Während sie laut lachend bunte Cocktails schlürfen, weine ich in mein Rotweinglas.

Das demente Hündchen kann aufgrund der Rückenprobleme kaum noch laufen und kein Auto mehr besteigen.  „Das ist mein Lieblingsstrand“ sage ich mit leiser Stimme und laut johlend wird der schöne Strand gelobt, an dem ich nie wieder mit dem geliebten Tier stundenlang schweigend herumlaufen kann.

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Zum Abschied laden uns die vermeintlichen Freunde zu Ihrer Hochzeit ein. Die soll in aller Stille bei uns statt finden. In mir ist alles verzweifelt still und ich finde kaum noch Worte.

Ohrenbetäubend….

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lärmen samstäglich die Nachbarn, weil es eine uralte Übereinkunft zu geben scheint, dass man sonntags Ruhe hält. Also laufen sämtliche Waschmaschinen, Wäschetrockner, Staubsauger, Rasenmäher, Gartenhäcksler und Rasentrimmer.

Unbeeindruckt von dem ganzen Lärm und Gewusel, fressen uns die Vögel die Körner vom Kopf. Täglich verfuttern sie 3 Liter aus verschiedenen, herumhängenden Häusern. Glücklicherweise haben wir seit fast zwei Jahren keinen Fernseher mehr und so schaue ich ihnen stundenlang zu. Sie balgen sich am Vogelhäuschen und die Grünfinken sind besonders frech. Sie reißen bedrohlich ihre Schnäbel weit auf und vergraulen so die Spatzen, Meisen und Bachstelzen. Die sitzen dann meist im Apfelbaum und warten, bis sie dran sind. Amseln, Drosseln und Hubertchens warten geduldig am Boden, auf Herabfallendes. Ein Jungspatz hat gleich im Futter gebadet, sich die Flügel geputzt und den Grünfink einfach ignoriert. So werde ich es künftig mit Maulaufreißern auch halten.

 

Auf Inselanien tobt das Rapsblütenfest und der Mann vertreibt dort seine selbst gedrechselten Stifte, direkt neben der Krönungsbühne. Er teilt sich ein Zelt mit anderen insulanischen Künstlern und besonders haben es mir die Werke einer älteren Dame angetan, die exakt aussieht, wie die sie begleitende andere ältere Dame. Beide tragen den zauberhaftesten Nachnamen der Welt und also halten wir sie zunächst für Schwestern bis sie den Irrtum strahlend aufklären und von ihrer Hochzeit vor einigen Jahren berichten. Ein spätes, aber strahlendes Glück.

Abendlich fragen wir uns kichernd bei einem kühlen Glas Wein, wieso es eigentlich keine Rapsblütenkönige gibt und keine Schützenköniginnen. Aber solange schwule Schützenkönige noch darum bangen müssen, ob ihr jeweiliger Verein ihnen gestattet, den Prinzgemahl mit aufs Foto zu stellen, solange werden merkwürdig anmutende Traditionen noch ein Weilchen überleben.

Zu später Stunde rezitieren wir lachend die honorige Liste der Gastkönigshäuser.

Rapsköniginnen

 

Wunderbar ist, …..

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wenn man die Insel mit einem Rückreiseticket verlässt. Zugegeben, ich freue mich auf die Skyline, auf die anstehenden Jobs, auf die verrückten, hektischen, hysterischen, lustigen und klugen Begegnungen.

Nun, da ich aber schon seit einigen Tagen unterwegs bin, freue ich mich über das Rückreiseticket in meiner Tasche. Donnerstag darf ich Mann, Hund, Insel und Meer wieder umarmen. Darüber wollte ich mich allerdings gar nicht länger auslassen, sondern mal wieder über Schlagzeilen.

Heute liest man mal gute Schlagzeilen, zumindest wenn man die französische und europäische Erleichterung betrachtet. Frau K. kommt in der früh auch mit einer guten Schlagzeile. Sie grüßt morgendlich und erzählt sofort, dass im Torbogen nebenan ein Mann schläft. „Der schläft immer da, sobald es etwas wärmer ist“… erläutert sie mir.

Während ich noch mit den Schultern zucke, hellt sich ihr Gesicht auf „….. die Nachbarin Frau C. hat ihm heute schon das Brötchen geschmiert“

Den Fragezeichen in meinen Augen schmettert sie lachend entgegen…“ ja, das macht Frau C. fast jeden Morgen, ihm ein Brötchen belegen und es mit einem Frühstücksteller neben ihn zu stellen, während er noch schläft“.

Frühstück ans Bett des Obdachlosen.

Ich finde, das ist eine gute Schlagzeile.

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„Da kannst Du auch mit einem Findling reden“….

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raunzt mir der Mann abendlich zu, als wir am dörflichen Maifeuer stehen. Da weiß ich noch nicht, dass ich in zwei Stunden mit dem Asphalt reden werde.

Wir waren also mit Getränken bewaffnet zum jährlichen Maifeuer auf dem Acker gelaufen und haben zwischenzeitlich gelernt: man geht immer zu jedem Einzelnen hin, streckt ihm/ihr die Hand entgegen und wünscht einen schönen Abend. So halten es die Jungbauern. Und da wir Stil und Erziehung haben, halten wir es auch so. Es bleibt dennoch wie jedes Jahr: man drängt sich dazwischen oder steht abseits. Die Bauern bleiben gerne unter sich, aber man kann sich dazwischen drängen. Die Frauen bleiben auch gerne unter sich, aber ich habe an allen Wohnorten meines Lebens, mich immer bei den Männern wohler gefühlt. So halte ich es hier auch, denn ich kann über Kindererziehung nur Berufliches oder Angelesenes sagen und privat interessiert mich die Lage der Welt mehr, als die Pubertät der Kinder. Klingt jetzt vielleicht arrogant, ist aber so.

Es laufen die Tagelöhner ein, die Bauern, die Altbauern, und die Fremden. Die Kinder sind lustig, haben ihr eigenes kleines Feuer und sie sind auch nicht so streng. Der kleine Michel macht mit dem größeren Arman (der aus der Großstadt kommt und nur gelegentlich hier ist) eine Busladung Popcorn, die sie freundlich mit allen teilen. Es werden Würstchen, vegetarische Würstchen aus Hamburg, Frikadellen und Süßigkeiten für die Kinder aufgetürmt.

Das Feuer lodert und ich bete, dass alle Kleintiere entkommen sind, was der Mann der fürs Feuer zuständig ist, heftig benickt und beteuert, er habe schon seit zwei Tagen auf den Holzhaufen heftig drauf geschlagen. Die Frau Sowieso und ihr Mann stehen bei uns und schweigen beharrlich. Es ist einfach ihre Art. Sie mögen uns, aber sie erzählen nicht gern. Frau Paarhäuserweiter hält es wie immer und betrinkt sich gepflegt, bis ihr Mann die Reisleine zieht, sie sich unter den Arm klemmt und versucht, sie vom Acker zu bringen. Schwankend angelt sie nach dem Sixpack Bier, das sie zwar mitgebracht, aber nicht getunken haben. Hilfsbereit springe ich herbei und helfe dem Mann, sie vom Acker zu bringen, indem ich versichere, ihr das Sixpack vor die Tür zu stellen, wenn ich gleich den Hund für die letzte Runde hole.

Also entschweben sie und zehn Minuten später breche ich auf, klemme mir das Sixpack unter den Arm und suche meinen Schleichweg. Fast zu Hause, bleibe ich in einem der berühmten insulanischen Löcher im Asphalt hängen und mache einen der-Länge-nach-Flug ….. denkend „shit das Sixpack“. Natürlich reißt die Verpackung, die Flaschen bleiben heile und meine Hände, Knie und Ellenbogen halten nicht. Ich rolle mich auf den Rücken, um aufstehen zu können und denke „oh Mann, wenn dich jetzt einer sieht. Nüchtern suche ich sechs Bierflaschen zusammen, stecke sie in die zwei Anoraktaschen und nehme den Rest in die blutenden Hände. Lande beim Nachbarn an, dessen Frau längst im Bett liegt und gebe ihm die Flaschen. „Na…. Du warst aber auch nicht alleine unterwegs“….meint er augenzwinkernd zu mir und ich bedaure, kein Molotow bei mir zu haben. Er hätte am nächsten Tag sein blödes Sixpack auch selbst abholen können und ich sähe nun nicht aus, wie nach einer heftigen Wirtshausschlägerei. Neben Haut und Muskeln ist vor allem der Windhundschlüsselanhänger nebst Ehering kaputt gegangen. Den Schlüsselanhänger hat mir der weltbeste Mann wieder neu besorgt, und da er glücklicherweise einen dauerhaften Goldschmiedekurs gebucht hat, wird auch der Ring professionell wieder hergestellt.

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