Ich schreibe nicht,….

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denn ich benötige dringend Urlaub von mir selbst.

Einen Kokon habe ich mir gebaut aus schlechten Filmen und billigen Büchern. So liege ich auf der Couch mit dem Blick auf das windige Fräulein. Die Nachdenklichkeiten halte ich so im Zaum und die Tränen weine ich nachts auf dem Feld, während ich mit dem Oberschenkel das wackelige Hündchen stütze und vor dem Umfallen bewahre, während ich klagend auf blutroten Vollmond starre.

Tagsüber kicken Kinder Fußbälle an Hofwände, läuft die Ponyparade mit seligen Urlauberkindern durchs Dorf, scherze ich mit den Verkäuferinnen im Supermarkt meines Vertrauens, drücke ich mich um Schreibtischarbeiten herum. Schwalben fliegen zu hunderten die Häuser an und ich wünsche mir einen Lottogewinn, um ihnen paradiesgleiche Behausungen bauen zu können. Der alte Hannes bekam einen Zahn gezogen und erzählt von früher, als er 60 Kaninchen und 30 Hühner besaß. Damals hatte man die zum Essen. Heute hat man Meerschweinchen und Kaninchen für die Urlauberkinder, deren Muttis zu Hause Sagrotan haben, die aber finden, dass die Kinder ein bisschen Zeit in der Natur verbringen sollten. Mir fällt meine italienische Kindheit ein, in der die Hausfrauen samstags auf dem Markt lebende Hühner kauften, sie mittags in kochendem Wasser töteten und dann in den Garagen rupften und ausnahmen.

Warum alles so ist, wie es ist, wird mir auf ewig ein Rätsel und verschlossen bleiben und manchmel will ich es auch gar nicht mehr wissen. Kai…. die mörderische Zitterspinne, die Amanda (die andere mörderische Zitterspinne) mordete, nachdem sie ihn in ihr Reich (was eigentlich meines ist) eingelassen hatte, ist übrigens verschwunden. Vermutlich ist er ausgewandert oder fiel einem unsichtbaren und rachsüchtigen Gespenst zum Opfer.

Der weltbeste Mann verrät mir sein Hochzeitstaggeschenk eine Woche zu früh, schwärmt von seinem Schwarzwaldtrip und erläutert mir die tiefe universelle Bedeutung des Cis.

Ich verpuppe mich und habe keine Ahnung, wer am Tag X aus der Schale hervor kommt. Vermutlich werde ich es sein. Anders und doch wie immer schon.

Bei all meiner Traurig- und Nachdenklichkeit bin ich dennoch ein Glücksschäfchen, wie der längst verstorbene Paule immer sagte.

Mein persönliches Glücksschwein jedenfalls ist mit Zetteln schon gut gefüllt. Morgens, wenn das Getreide wieder von der herbstlichen Nacht getrocknet ist, fahren die Traktoren. Die Bauern holen die Ernte ein und fahren bis weit nach Mitternacht. Auch das empfinde ich als Glück und liebe den Lärm im August.

Ahoi…. ich bin dann wieder verpuppen…..

pig

„Drei…. Ist einer zu viel…..“

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….dachte ich vor einigen Wochen, als Amanda zwei weitere Mitbewohner einziehen ließ. Mir war das gar nicht recht und ich säuerte still vor mich hin. Eine Untermieterin war für mich immer in Ordnung, sie machte sich nützlich und fiel nicht weiter auf. Aber drei? Das fand ich richtig dreist. So wie Amanda, haben sich auch die beiden anderen bei ihrem Einzug mir nicht vorgestellt. Ich nannte sie Kai und dieKleine.

Natürlich währte der Friede nicht lange und bereits nach zwei Nächten hatten Amanda und Kai dieKleine ermordet. Es folgten Tage der Zweisamkeit, in denen die beiden füßelnd beieinander saßen. Ich muss allerdings zugeben, sie sind mir fremd und vielleicht bedeutete das zarte Füßeln in der Zitterspinnenwelt auch einen Kampf auf Leben und Tod.

Sie bezogen daraufhin unterschiedliche Ecken unseres Badezimmers und ich dachte tagelang darüber nach, wen ich zuerst meucheln sollte. Es drohte Zitterspinnenbrut in der dritten Ecke des Badezimmers. Aber mal ehrlich: könnte ich Kinder töten? Nein, definitiv nicht. Amanda hatte die älteren Rechte, sah aber eh ihrem Ende entgegen, da Zitterspinnen in der Regel drei Jahre alt werden und die hatte sie locker auf dem Spinnenbuckel. Aber soll ich Alte vor den Jungen töten? Nein, das ist ja irgendwie faschistoid. Also blieb der Staubsauger brav am Boden.

Während der üblichen Dienstreisen schickt er Mann ein Trauerfoto angeblich von Kai, den Amanda frisch verschnürt hatte. Bei meiner Rückkehr allerdings musste ich feststellen, dass es genau anders herum war: Kai hatte meine Amanda gemordet und hat mein Badezimmer nun in Besitz genommen. Der Laie fragt sich, was mein Gesülze soll, aber gelegentlich entdecke ich einen ganzen Kosmos in der Zitterspinnenwelt oder aber auch des im Untergrund arbeitenden Brennesels und übe mich in Gelassenheit und Tapferkeit. Ich schrubbe das Haus, fahre durch die Republik und richte Gästebetten. Ich verbiete der Mutter zu viel Gefühl, weil ich meinen eigenen Schmerz niederkämpfe. Ich gebe die Parole aus, erst zu trauern, wenn das Möchtegernwindhundfräulein wirklich die Ebenen gewechselt hat. Täglich bei ihrem Wenigerwerden zuzuschauen ist hart und ich gebe mein Allerbestes im Coolbleiben. Und dennoch schwingt in mir ein dumpfes Gefühl, so als ob demnächst ein Krieg ausbrechen wird.

10.juli

Geschmeidige Tage…

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liegen hinter uns. Wir feierten einen sechzigsten Hochzeitstag in der Nachbarschaft.

Ich lernte das Kränzen und werde nun aus Gründen der Privatsphäre hier keine Fotos dazu posten, aber es sah geil aus und die Kinder, die mein Alter haben, haben uns in die Familie aufgenommen.

Das windige Fräulein bekommt Herrenbesuch, der von Andalusien über meine rosenheimer Freundin bis hoch nach Inselanien fährt, um sie noch kennen zu lernen bzw. noch einmal zu sehen. Entgegen all meiner Befürchtungen (das windige Fräulein war nie gastfreundlich was andere Artgenossen angeht) erleben wir entspannte, geschmeidige Tage und schwimmen im Meer.

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Wir spielen im Supermarkt Fangen, scherzen mit der Fleischereifachverkäuferin über zu vergrabenden Schinken, irritieren einzelne Herren an der Kasse und werfen uns scherzend Beleidigungen an den Kopf, bevor wir die Fußnägel bunt streichen und sehr andalusisch mit Rotwein und dem männlichen Wäschemodel aufs Meer blicken. Fast schon habe ich das langsame Sterben des Fräuleins vergessen.

Morgens um sechs ist der Spaß vorbei und die Freundin tritt die Rückreise nach Bayern an. Schniefend wechsle ich die Bettwäsche, um sogleich wenig später, die teutonische Herzensfreundin mit den beiden Labradordamen zu empfangen.

Das windige Fräulein erkennt ihre Kindheitsfreundinnen nicht. Die Nieren vergiften das Gehirn und ratlos und stumm sieht sie dem Besuch entgegen. Der wiederum traut sich kaum ins Haus, weil er die Nichtbegrüßung nicht gewohnt ist und nicht verrechnen kann. Dennoch haben wir innige, entspannte Tage und der Abschied tut unendlich weh. Die Freundin mit den teutonischen Hundedamen wird bald schon zurückkehren. Vorsichtshalber herzen sie das windige Fräulein und wir weinen.

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Tagsdrauf packe ich die Koffer und kehre arbeitend aufs Festland zurück. Ich übe weiterhin Tapferkeit und tu so, als wenn fast nix wär. Ich lausche Jugendlichen in der S-Bahn von Bankfurt nach Sonstwo.  Erfahren klingt der 14jährige als er behauptet, vierzig Jahre im Krieg gewesen zu sein. Damals vor x-tausend Jahren, als die Feinde, die Leichen noch per Katapult zurück schickten. Da ich nicht von Wiedergeburt ausgehe, wird mir relativ schnell klar, dass die Jungs von Computerspielen sprechen und staunend bewundere ich die neben mir sitzende Klassenlehrerin, die sich freundlich ironisch über die Krankheitsrate der Zehntklässler in der Projektwoche wundert. Ich wundere mich auch über zunehmend vieles und stehe ratlos in meinem Leben herum.

Still…..

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durchlebe ich die letzten zwei Wochen.

Ich habe keine Worte und also lerne ich stumm…..

kränz1Erstmalig bin ich dabei, anlässlich einer Hochzeit das Kränzen zu lernen und finde mich in der Sckränz2heune einer Bäuerin ein, um mit anderen Frauen den Kranz zu binden.

Dies ist äußerst praktisch, denn in der kommenden Woche wird erneut gekränzt, diesmal zur diamantenen Hochzeit meiner Nachbarn und da muss ich dann wieder ran.

 

Relativ stumm durchlebe ich den nun beginnenden Besucheransturm. Einige Freunde erinnern sich zu gerne im Sommer daran, dass man uns länger nicht gesehen hat. Dies freut mich einerseits, doch andererseits hatte meine Mutter halt doch recht, die das mit dem Fisch vergleicht, der bekanntlich nach drei Tagen stinkt. Mir stinkt die fröhliche Urlaubsstimmung der vermeintlichen Freunde, die sich gerne von uns die Brötchen zum Frühstück holen lassen und im Brustton der Überzeugung sagen, wir sollten uns bloß keine Umstände machen. Ich übe das und frage abends ratlos, was wir eigentlich essen wollen. Ich gewöhne es mir ab, andere zu bewirten, denn dies ist mein zu Hause und keine Pension.

Mir stinkt die ausgelassene fröhliche Stimmung der Gäste, die über den müden Hund latschen und nicht bemerken, wie unendlich schwer mein Herz ist.

Tagsüber verkriecht sich das abmagernde, demente Hündchen in ein grünes Nest und beobachtet mich, wie ich da in der Sonne sitze,  das Geplauder der Gäste an mir vorbeirauschen lasse und dem Hündchen in die Augen schaue.

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Abends starrt das demente Hündchen fünf Minuten in eine Steckdose, so als würden dort alle großen Fragen beantwortet werden. Enttäuscht wendet es sich dann ab und sinkt in die Kissen. Auch die Steckdose weis keine Antwort.

Falsch lächelnd bringen wir die vermeintlichen Freunde zur Strandbar. Während sie laut lachend bunte Cocktails schlürfen, weine ich in mein Rotweinglas.

Das demente Hündchen kann aufgrund der Rückenprobleme kaum noch laufen und kein Auto mehr besteigen.  „Das ist mein Lieblingsstrand“ sage ich mit leiser Stimme und laut johlend wird der schöne Strand gelobt, an dem ich nie wieder mit dem geliebten Tier stundenlang schweigend herumlaufen kann.

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Zum Abschied laden uns die vermeintlichen Freunde zu Ihrer Hochzeit ein. Die soll in aller Stille bei uns statt finden. In mir ist alles verzweifelt still und ich finde kaum noch Worte.

Ohrenbetäubend….

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lärmen samstäglich die Nachbarn, weil es eine uralte Übereinkunft zu geben scheint, dass man sonntags Ruhe hält. Also laufen sämtliche Waschmaschinen, Wäschetrockner, Staubsauger, Rasenmäher, Gartenhäcksler und Rasentrimmer.

Unbeeindruckt von dem ganzen Lärm und Gewusel, fressen uns die Vögel die Körner vom Kopf. Täglich verfuttern sie 3 Liter aus verschiedenen, herumhängenden Häusern. Glücklicherweise haben wir seit fast zwei Jahren keinen Fernseher mehr und so schaue ich ihnen stundenlang zu. Sie balgen sich am Vogelhäuschen und die Grünfinken sind besonders frech. Sie reißen bedrohlich ihre Schnäbel weit auf und vergraulen so die Spatzen, Meisen und Bachstelzen. Die sitzen dann meist im Apfelbaum und warten, bis sie dran sind. Amseln, Drosseln und Hubertchens warten geduldig am Boden, auf Herabfallendes. Ein Jungspatz hat gleich im Futter gebadet, sich die Flügel geputzt und den Grünfink einfach ignoriert. So werde ich es künftig mit Maulaufreißern auch halten.

 

Auf Inselanien tobt das Rapsblütenfest und der Mann vertreibt dort seine selbst gedrechselten Stifte, direkt neben der Krönungsbühne. Er teilt sich ein Zelt mit anderen insulanischen Künstlern und besonders haben es mir die Werke einer älteren Dame angetan, die exakt aussieht, wie die sie begleitende andere ältere Dame. Beide tragen den zauberhaftesten Nachnamen der Welt und also halten wir sie zunächst für Schwestern bis sie den Irrtum strahlend aufklären und von ihrer Hochzeit vor einigen Jahren berichten. Ein spätes, aber strahlendes Glück.

Abendlich fragen wir uns kichernd bei einem kühlen Glas Wein, wieso es eigentlich keine Rapsblütenkönige gibt und keine Schützenköniginnen. Aber solange schwule Schützenkönige noch darum bangen müssen, ob ihr jeweiliger Verein ihnen gestattet, den Prinzgemahl mit aufs Foto zu stellen, solange werden merkwürdig anmutende Traditionen noch ein Weilchen überleben.

Zu später Stunde rezitieren wir lachend die honorige Liste der Gastkönigshäuser.

Rapsköniginnen

 

Wunderbar ist, …..

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wenn man die Insel mit einem Rückreiseticket verlässt. Zugegeben, ich freue mich auf die Skyline, auf die anstehenden Jobs, auf die verrückten, hektischen, hysterischen, lustigen und klugen Begegnungen.

Nun, da ich aber schon seit einigen Tagen unterwegs bin, freue ich mich über das Rückreiseticket in meiner Tasche. Donnerstag darf ich Mann, Hund, Insel und Meer wieder umarmen. Darüber wollte ich mich allerdings gar nicht länger auslassen, sondern mal wieder über Schlagzeilen.

Heute liest man mal gute Schlagzeilen, zumindest wenn man die französische und europäische Erleichterung betrachtet. Frau K. kommt in der früh auch mit einer guten Schlagzeile. Sie grüßt morgendlich und erzählt sofort, dass im Torbogen nebenan ein Mann schläft. „Der schläft immer da, sobald es etwas wärmer ist“… erläutert sie mir.

Während ich noch mit den Schultern zucke, hellt sich ihr Gesicht auf „….. die Nachbarin Frau C. hat ihm heute schon das Brötchen geschmiert“

Den Fragezeichen in meinen Augen schmettert sie lachend entgegen…“ ja, das macht Frau C. fast jeden Morgen, ihm ein Brötchen belegen und es mit einem Frühstücksteller neben ihn zu stellen, während er noch schläft“.

Frühstück ans Bett des Obdachlosen.

Ich finde, das ist eine gute Schlagzeile.

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„Da kannst Du auch mit einem Findling reden“….

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raunzt mir der Mann abendlich zu, als wir am dörflichen Maifeuer stehen. Da weiß ich noch nicht, dass ich in zwei Stunden mit dem Asphalt reden werde.

Wir waren also mit Getränken bewaffnet zum jährlichen Maifeuer auf dem Acker gelaufen und haben zwischenzeitlich gelernt: man geht immer zu jedem Einzelnen hin, streckt ihm/ihr die Hand entgegen und wünscht einen schönen Abend. So halten es die Jungbauern. Und da wir Stil und Erziehung haben, halten wir es auch so. Es bleibt dennoch wie jedes Jahr: man drängt sich dazwischen oder steht abseits. Die Bauern bleiben gerne unter sich, aber man kann sich dazwischen drängen. Die Frauen bleiben auch gerne unter sich, aber ich habe an allen Wohnorten meines Lebens, mich immer bei den Männern wohler gefühlt. So halte ich es hier auch, denn ich kann über Kindererziehung nur Berufliches oder Angelesenes sagen und privat interessiert mich die Lage der Welt mehr, als die Pubertät der Kinder. Klingt jetzt vielleicht arrogant, ist aber so.

Es laufen die Tagelöhner ein, die Bauern, die Altbauern, und die Fremden. Die Kinder sind lustig, haben ihr eigenes kleines Feuer und sie sind auch nicht so streng. Der kleine Michel macht mit dem größeren Arman (der aus der Großstadt kommt und nur gelegentlich hier ist) eine Busladung Popcorn, die sie freundlich mit allen teilen. Es werden Würstchen, vegetarische Würstchen aus Hamburg, Frikadellen und Süßigkeiten für die Kinder aufgetürmt.

Das Feuer lodert und ich bete, dass alle Kleintiere entkommen sind, was der Mann der fürs Feuer zuständig ist, heftig benickt und beteuert, er habe schon seit zwei Tagen auf den Holzhaufen heftig drauf geschlagen. Die Frau Sowieso und ihr Mann stehen bei uns und schweigen beharrlich. Es ist einfach ihre Art. Sie mögen uns, aber sie erzählen nicht gern. Frau Paarhäuserweiter hält es wie immer und betrinkt sich gepflegt, bis ihr Mann die Reisleine zieht, sie sich unter den Arm klemmt und versucht, sie vom Acker zu bringen. Schwankend angelt sie nach dem Sixpack Bier, das sie zwar mitgebracht, aber nicht getunken haben. Hilfsbereit springe ich herbei und helfe dem Mann, sie vom Acker zu bringen, indem ich versichere, ihr das Sixpack vor die Tür zu stellen, wenn ich gleich den Hund für die letzte Runde hole.

Also entschweben sie und zehn Minuten später breche ich auf, klemme mir das Sixpack unter den Arm und suche meinen Schleichweg. Fast zu Hause, bleibe ich in einem der berühmten insulanischen Löcher im Asphalt hängen und mache einen der-Länge-nach-Flug ….. denkend „shit das Sixpack“. Natürlich reißt die Verpackung, die Flaschen bleiben heile und meine Hände, Knie und Ellenbogen halten nicht. Ich rolle mich auf den Rücken, um aufstehen zu können und denke „oh Mann, wenn dich jetzt einer sieht. Nüchtern suche ich sechs Bierflaschen zusammen, stecke sie in die zwei Anoraktaschen und nehme den Rest in die blutenden Hände. Lande beim Nachbarn an, dessen Frau längst im Bett liegt und gebe ihm die Flaschen. „Na…. Du warst aber auch nicht alleine unterwegs“….meint er augenzwinkernd zu mir und ich bedaure, kein Molotow bei mir zu haben. Er hätte am nächsten Tag sein blödes Sixpack auch selbst abholen können und ich sähe nun nicht aus, wie nach einer heftigen Wirtshausschlägerei. Neben Haut und Muskeln ist vor allem der Windhundschlüsselanhänger nebst Ehering kaputt gegangen. Den Schlüsselanhänger hat mir der weltbeste Mann wieder neu besorgt, und da er glücklicherweise einen dauerhaften Goldschmiedekurs gebucht hat, wird auch der Ring professionell wieder hergestellt.

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Durchkomponierte dramatische Großform…..

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so benennt unser aller liebstes Internetlexikon die Oper, die ich suchte, einfach weil ich nächtens um 4 eine Handynachricht beantwortete und mich die Freundin fragte, ob ich nicht mehr schlafe. Auf meine Beschwichtigungsversuche hin antwortet sie mir, dass es bei ihr auch so sei, dass sie immer „alles gut“ sage, wenn es ihr besonders miserabel ginge. Ich antworte natürlich „alles gut“ und gestehe erst spätabendlich, dass es bei mir ebenso sei wie bei ihr.

Ich nenne das „Madame Butterfly“…. Wegen des immer nur Lächelns und immer vergnügt.

Mutter, Mann und Freunde verstehen das nicht. Sie finden, man müsse reden, wenn man traurig sei. Ich finde das nicht, denn wenn ich rede worüber ich traurig bin, werde ich noch trauriger. Immerhin sitzt ein klitzekleiner Käfer auf meinem Bildschirm, während ich dies schreibe, und also geht das Leben weiter. Es erwacht, während mein Herzenstier immer müder wird. Ich hoffe, mein Herz bleibt nicht stehen, wenn seines plötzlich zu schlagen aufhört. Aber das wollte ich gar nicht ausbreiten, sondern meine Liebe für die Callas.

Obwohl das Reden mein Job ist und meine Stimme seit 26 Jahren immer schlechter und kratziger wird, bin ich kein Freund davon, mich intensiv mit zu teilen. Ich schaffe es, in fünf knappen Worten mein gesamtes aktuelles Lebensgefühl mitzuteilen und bitte darum, dies nicht zu kommentieren. Nun gut, hier verhalte ich mich gerade gegenteilig zum bisher Geschriebenen, aber es ist meine Spielwiese hier und da darf und will ich das ….. also das „meer mitteilen“.

Wenn ich mich also tapfer durch den Tag, den Abend, die Nacht schlage, dann darf ich meiner Tapferkeit kurz Einhalt gebieten und mich der Callas hingeben. Während ich im face-to-face immer stark und aufrecht bin, nehme ich mir am Abend ein Schlückchen Callas und weine still vor mich hin.

Ihre Arien habe ich mir – um die Ratio ein bisschen zu pflegen – von anderen Interpretinnen (Cabellé, Netrebko, Tiri TeKanawa) angehört und alle für untauglich befunden, was meine Erreichbarkeit angeht. Sie alle mögen gut singen können, aber erreichen kann mein Herz keine außer ihr.

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Morgens um 5

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scheint die Welt in Ordnung, während ich mit dem Froillein auf die Felder schaue. Im Dorf ist alles ruhig, fast als gäbe es keine Menschen, und wir genießen den friedvollen Moment, in dem die Sonne auftaucht und die vereisten Felder schimmern lässt. Die Vögel jubilieren, ich nehme einen tiefen Atemzug Glück und kraule struppiges Fell, schaue in braune Mandelaugen.

Um 10 vor 7 steht bereits die Dachdeckermannschaft grinsend vor der Tür, ich schmeiße den erschrockenen Mann aus dem Bett und lasse Kaffee aus dem Tamagotchi laufen.

Um 10 vor 8 haben die Nachbarinnen bereits die Wäsche zum Trocknen rausgehängt und ich mir in alter Gewohnheit die Laune durch Schlagzeilen verdorben.

Bisher hielt ich es immer für eine Tugend, stets informiert zu sein, die aktuellen Verwirrungen zu kennen und mir ein Bild zu machen. Nun überlege ich, ob es nicht reicht, wenn ich dies nur einmal wöchentlich tue. Despoten schießen wie Pilze aus dem Boden, Menschen schaffen ihre Freiheiten ab und überall scheint man der Globalisierung in einer globalen Welle des Zäune hoch ziehens entgegen wirken zu wollen.

Um 10 vor 9 werde ich ans Meer aufbrechen und mit dem geliebten Tier eine kleine Strandrunde machen, tief in unseren Gedankenaustausch versunken nach weiteren Rehen Ausschau halten.

Bock

Ich kleide mich in Schweigen…..

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trage wolkenverhangene Gedanken auf dem Kopf und halte mir die Ohren zu. Sie reagieren einfach zu empfindlich auf Geschwätz und Unterhaltung, Dialoge und selbst gut gemeinte Aufmunterungen lasse ich vorbei schwurbeln, da ich ja nichts höre, während ich mir die Ohren zu halte.

Meine Kraft konzentriere ich wie einen Laserstrahl auf Tapferkeit. Das ist anstrengend und raubt mir den Humor. Das Lachen ist mir vergangen und ich habe keine Ahnung, wo es sich versteckt.

Das alte Froillein kann unsere üblichen 8kilometrigen Morgenrunden nicht mehr gehen. Es ist ihr zu anstrengend und lieber verschläft sie den ganzen Tag, sucht Sonne und mich.

Wieder einmal befürchte ich ihren baldigen Weggang und mein Herz rast im Widerstand.

18april