Warum eigentlich nimmt mit zunehmendem Lebensalter sicheres Wissen ab?

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Warum eigentlich laufen am Frankfurter Bahnhof so viele Männer mit über die Schulter geschlagenen Krawatten herum, obwohl sie keine Suppe vor sich stehen haben?

Und wo eigentlich ist der junge Mann geblieben, der dünne Junkiehühne mit dem jungen Schäferhund, dem ich immer bei meiner Ankunft einen Euro in die Hand gedrückt habe?

Wohin ist eigentlich der Oetker’sche Pizzaautomat entschwunden, der in der Tiefebene des frankfurter Bahnhofs immer wieder gerne meinen Ekel erregte?

Warum eigentlich tragen in Süddeutschland so viele Pensionen den Namen „Erika“?

Warum eigentlich hat man Ungarn nicht schon aus der EU befördert, als sie noch Romadörfer anzündeten und warum denkt jetzt nur ein klitzekleiner Außenminister drüber offen nach, seit man weiß, dass sie Flüchtlinge mit scharfen Hunden attackieren und noch Schlimmeres tun?

Warum eigentlich habe ich als junge Frau geglaubt, die Welt hätte gelernt und würde immer besser werden?

Warum eigentlich fotografieren so Viele am liebsten nur noch sich selbst, und warum sind Fotos, nur mit Kulisse, völlig aus der Mode gekommen?

Warum eigentlich bleibt mir so oft das Lachen im Halse stecken, wo ich doch früher in jungen Jahren einen ausgezeichneten Ruf hatte, was das Lachen angeht?

Manchmal frage ich mich, ob ich die Kraft haben werde, für all die Todesfälle und Lebensereignisse, die ich noch vor mir habe und überstehen muss.

Warum eigentlich denke ich über einen Kurs in Aquafitness nach, anstatt mir endlich mal wieder einen Flamencoworkshop auszusuchen?

Und warum eigentlich hält man nur Schafe und andere Tiere für blöd?

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Ich bin mal kurz festlandig….

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und ziehe von Oben nach Mitte nach Unten nach Mitte und wieder nach Oben.

Wenn ich wieder Oben bin, darf ich mich als Rezensentin eines Fachbuches durch 460 Seiten lesen und ich frage mich, wie ich auf diese Schnapsidee kommen konnte. Schnaps war jedenfalls nicht im Spiel, auch wenn die gewaltige Selbstüberschätzung theoretisch darauf verweisen könnte. Ansonsten wälze ich nur Ideen hin und her, während die geschätzte Konkurrenz ihre Ideen einfach auf den Markt wirft. Ich ärgere mich dann über mich selbst, was zu weiteren Lähmungen führt, in deren Zwischenzeit die geschätzten Mitbewerber, völlig unbescheiden, ihr Zeugs lostreten und sich grandios dafür selbst loben.

Wenn Menschen meines näheren Umfeldes mich beschreiben sollten, wird vermutlich „ach… sie ist bescheiden“…. irgendwo in den ersten fünf Nennungen auftauchen. Dabei habe ich eine wirklich große Klappe und versuche das, nach allen Regeln der Kunst, zu verbergen. Als erstes jedenfalls sollte ich den ewigen Zensor im Kopf mal ruhig stellen. Der ist zwar ein Helfer der Bescheidenheit, aber aktuell ist das irgendwie aus der Mode und ich bräuchte einen etwas zeitgemäßeren Helfer …..

Soifz…. ich kriege den Gedanken nicht zu ende, denn anstatt hier rum zu salbadern, sollte ich längst auf dem Weg zum Bahnhof sein.

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„Einmal noch….“

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flüstere ich dem Mann ins Ohr….. „lass uns einmal noch zum Sonnenuntergang gehen“. Die Weber fallen schon tot vom Himmel und die Wespen kriechen auf dem Boden nach Nirgendwo. Die Luft wird dunkler und die Abende kühl. Die Ostsee täuscht noch Wärme vor und Fasanenkinder rennen durchs Dorf, nicht ahnend, dass es bald ungemütlich wird.

Lass uns einmal noch in den Westen der Insel ziehen und abendlich Sommer spielen, so tun, als könnte alles ewig so bleiben, wie es gerade war. Die Bauern machen die Felder schon seit Tagen schwarz und bald werden Kohl und Kälte wachsen.

Die Nachbarin hat schon fast alle Auberginen geerntet und die streitenden Urlauber sind schon lange wieder in Arbeit und Schule. Die Alten haben die Holunderernte schon zu Hustensäften verarbeitet und erzählen Inselgeschichten. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Sommer zu fliehen versucht.

Die alte Magd sagt: „als wir fünfzehn waren, mussten wir zum Bauern zum Arbeiten. Neee neee neee… wir waren ja nicht dumm, aber was hätten wir tun sollen, hier gab es ja nichts. Neee neee neee… wie die Zit vergeit… „seufzt sie und erzählt, dass ganz ganz früher als sie noch klein war, der Donnerstag der „Bauernsonntag“ gewesen sei. Mit Kutschen und Pferden sind sie in die Stadt zum alten Heiner, dessen Nachkommen heute eines der wenigen Hotels auf der Insel haben. In seiner Gaststube haben sie sich volllaufen lassen und sind nachts zurück in die Dörfer und die klugen Pferde fanden den Weg alleine. Sie bringt uns Tomaten und wir bedanken uns mit gelegentlichem Äpfel aufsammeln und einer kleinen Abendeinladung.

Lass uns einmal noch Sommer spielen….ich glaube der Winter wird hart.

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Da mich heute die herrliche Buchhändlerin….

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… anrief, nachdem ich gestrig heftig an sie dachte, und wir also eine lange Unterhaltung hatten, da dachte ich an so viele vergangene Jahre. Da wir uns vom Blogen kennen, wühlte ich mich also heute durch meinen alten Blog und staunte, als ich die Geschichte der chinesischen Seiltänzerin las, die aufgrund eines gierigen Schmetterlings vom Seil stürzte. Jener hatte leise und zart ihre Seifenblasen platzen lassen, die sie auf ihrer Hochsteckfrisur trug und als sie vom Seil stürzte, landete sie auf einem Sack gerösteter Kröten. Ihr sexuell unentschiedener Freund und Schornsteinfeger nötigt sie, zu einem Inkarnationstherapeuten nach Lugano zu gehen. Unnötig zu erwähnen, dass sie mit dem Inkarnationstherapeuten eine heiße Affäre hat und sich zunehmend in eine Kröte verwandelt. Allerdings kriegt sie die Kurve und kann die Kröten Entwicklung rückgängig machen, als sie einen Stehgeiger kennen lernt, der ihr die Welt zeigt und sie den Sack Kröten vergessen lässt.

Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen. Ich wundere mich nur, dass die Gedankenübertragung mit der Buchhändlerin und engen Freundinnen so gut funktioniert, und ich wundere mich, wie lange wir uns schon kennen und wie sie mir damals bei der dritten Hochzeit Rosmarin und Chilli reichend, assistierte. Auch sie lässt Schmetterlinge um ihr Haupt kreisen und wir parlieren über die Liebe und ich frage sie, wie schmeckt sie wohl die Liebe.

„Nach Orangenvinaigrette“…. antwortet sie mir spontan und seit diesem Moment, lese ich nicht nur die alten Geschichten nach, sondern frage mich, wie wohl die Liebe schmeckt. Für jeden anders natürlich. Das wäre ein feiner Kurzgeschichtenband, der von  jungen, alten, wilden, zaghaften und allerlei Lieben erzählt. Mir fällt unser „Orgasmussalat“ ein, den wir seufzend im Sommer essen und dabei lustig die Augen verdrehen. Ich denke an Parmesan und indische Dal.

Langsam sinkt die Sonne ins Meer und noch leuchten die Augen des alten Möchtegernwindhundfroilleins so strahlend. Ihr Atem geht zunehmend schwer, die Lymphknoten sind nach Ausschleichen des Kortisons wieder dick angeschwollen und nichts kann sie davon abhalten, zwei Hasenkinder im Nest zu verspeisen. Während ich früh morgens noch androhe, sie im Tierheim abzugeben, weil ich keinen Kindermörder im Haus haben will, weine ich abends am Feld leise Tränen. Ich hoffe so sehr auf einen gemeinsamen Winter, wenn wir auf der Sandbank stehen und uns der Atem gefriert, wenn wir abends auf vereisten Feldwegen herumschlittern und die Fußbodenheizung ihren zunehmend merkwürdig verformten Bauch wärmt. So rasend gern würde ich manchmal die Zeit anhalten.

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Sprachlos im Sommer…

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… genieße ich jede freie Sekunde mit dem alternden Möchtegernwindhundfräulein. Zwischen Kofferpacken-Besuch-Arbeit-Festland-zeitfressenden Projekten-usw.immerdasgleiche….. flanieren wir auf den Deichen und ich lasse das alte Mädchen zu Wasser – jedenfalls bis zum Bauch, denn weiter findet sie es lebensgefährlich.

Der Mann ist geschmeidig und hat locker mal 20kg abgespeckt, er ist ansteckend vergnügt und abendlich seufzen wir hinter dem Haus auf der bielefelder Bank und starren in den Himmel voller Geigen und können unser Glück nicht fassen.

Täglich nehme ich mir vor, zu bloggen, schreibe im Kopf die Einträge, schreibe im Kopf noch den Beginn zweier Romane und handel mir eine Buchrezension ein, die ich natürlich im Kopf auch schon fertig habe.

Desweiteren erledige ich im Kopf meine Mailkorrespondenz, meine Jobvorbereitungen, meine Steuer und meine seit Jahren brachliegende Homepage natürlich auch, ebenso wie Hausarbeit und Kontaktpflege. Als mich das Finanzamt an meine Umsatzsteuer erinnert, bin ich kurz davor, wütend eine „hab ich doch schon erledigt“-Mail zu schicken, als mir gerade noch einfällt, dass ich das nur im Kopf erledigt habe. Mir fehlt einfach die Zeit, obwohl ich wirklich guten Willens bin, die fürs Leben notwendige preußische Disziplin zur Erledigung meiner Pflichten, aufzubringen. Aber ich komme einfach zu nichts. Zu viele Rehe stehen vor mir und schauen mich an, zu viele Stunden vergehen beim Herumschlüren mit dem alten Fräulein, viel zu lange muss ich in Sternenhimmel schauen, und natürlich gibt es eine wilde Party im Dorf, bei der wir bis nächtens um drei zu alten Headbangern tanzen und nach 30 Jahren mal wieder Kräuter durch die Luft jagen und dann endlich verstehen, dass hier eh nie einer die Polizei rufen wird. Unnötig zu erwähnen, dass wir nun noch am Weststrand eine kleine Bar entdeckt haben, die sich in einem Container versteckt und die eben Cocktails farblich passend zum Sonnenuntergang reicht.

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Die Ernte …………………(Rostparade 12)

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ist eingebracht und liegt schwer und goldfarben auf den Landmaschinen. Während die Sonne mir noch die Haut bräunt, sind die Farben des schattigen Möchtegernwindhundes bereits im späten Herbst angelangt. Ihre Rücken rostet, die Beine werden dünn und sie wird plötzlich so brav, wie ich es nie gewohnt war. Die Zeit, die uns gemeinsam bleibt nimmt ab, wie die Länge der Tage.

Winter mochte ich noch nie, aber unsere gemeinsame Ernte war reich.

Rosthund

(Am letzten Tag des Monats folge ich mit Freude der Rostparade, die von Frau Tonari ins Leben gerufen wurde. Bei ihr finden sich auch die Links zu weiteren rostigen Schönheiten.)

Ich finde das eine wirklich interessante Idee….

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…. die die geschätzte Nachbarin gehabt und umgesetzt hat. In den Blog 1000 Mutterbilder sind alle eingeladen, Texte, Bilder, Collagen etc. einzubringen, die den Begriff „Mutter“ aufgreifen.

Mir gefällt, was ich dort bereits finde und ich hoffe, mal die Zeit zu finden, ein paar Buchstaben dazu sinnvoll zu arrangieren. Beeilt Euch, denn nach dem 1000. Beitrag ist es vorbei.

Allerdings war in den letzten Wochen hier so viel Mensch, dass ich die letzten zwei Urlaubstage schweigend mit Getränk verbracht habe.

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Ich muss mal…..

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sagen, dass meine vermeintliche Sommerfrische schon lange anzudauern scheint. Fakt aber ist, dass meine vermeintliche Sommerfrische eigentlich nur knappe vier Tage mit der herzlieben teutonischen Freundin dauerte. In diesen Tagen ölten drei ältere Hundedamen, die sich schon ewig kennen, durch die Felder und wir zweibeinigen Damen taten in aller Ruhe so, als lägen keine 400 Kilometer zwischen uns und als könnten wir immer täglich so weiter machen, wie wir bisher täglich miteinander taten. Wunderschön war das.

Dann durfte ich kurz arbeitend nach Duisburg und anschließend gab es einen weiteren Besuch einer anderen lieben teutonischen Freundin, mit allerlei veganem Gekoche und saftigem Gelächter. Kurz hernach jedoch wurde es wirklich ernst:

Seit vier Jahren wollten wir zum Abschluss der Bauarbeiten am Inselhäuschen, endlich die Nachbarn einladen. Im ersten Jahr sollten nur neue Tapeten drauf, um sogleich das Häuschen in die Vermietung zu geben. Im zweiten Jahr steckten wir bereits in einer Kernsanierung. Im dritten Jahr entschieden wir uns, nicht zu vermieten sondern selbst drin zu wohnen. Im vierten Jahren wurde der alte Schweinestall, die Zentrale der Wleltherrschaft, abgerissen und von herrlichen Zimmermännern neu erbaut. Nun, nachdem wir hier fest wohnen, hat endlich ein Gartenbauer noch den Hof neu gepflastert und den Acker geschönt. Also luden wir die Nachbarn ein. Aber wer sind die Nachbarn? – fragten wir uns. Links ja, rechts äh….schwer, rechtsrechts …. eher schwer, rechtsrechtsrechtsrechts…. auf jeden Fall…. und gegenüber sowieso… und ganz am Ende von Dorf auch…. Also wo mag die Grenze liegen, wenn man sich die Nachbarn einladen möchte?

Am Ende des Tages hatte ich allen 56 Hausnummern mitsamt ihren ca. 70 Anwohnern die Einladungen ins Postkästchen geworfen. Es folgten die üblichen Logistiken: Zelt, Biertische, Zapfanlage fürs Bier, Bionade etc. für die Dorfkids, Cateringservice uswuswusw.

Am strahlenden Freitag rückten dann 50 Dorfbewohner an und natürlich die Zimmermänner, Maler, Maurer undsoweiter. Herrlich war das: sie brachten Blumen, Sträucher, Getränke, ausgeräumte Gemüsebeete und unendlich viel Herzlichkeit und Gelächter bis in den frühen Morgen.

Immer schon haben wir Sommerfeste gefeiert und obwohl dies unsere erste Party war, zu der nächtens nicht die Polizei kam, war es wunderschön. Drei Tage Aufräumarbeiten und neuer Besuch lassen meine letzen Urlaubstage zusammenschrumpfen. Montag geht’s wieder los. Aber schön war es!

männeken

(es handelt sicher hierbei um das Gastgeschenk der Zimmerleute. Ein „kleiner Pisskerl“ der in die Regenrinne einzubauen ist. Er überragt mich um zwei Köpfe und wir müssen eine kindersichere Örtlichkeit finden, damit wir keinen Ärger kriegen…. ist ja auch alles bissi modern selbst hier auf Inselanien)

Sommerfrische

Das möchtegernwindige Tier hat Besuch aus Teutonien. Die älteren Damen kennen und lieben sich nun schon seit über zehn Jahren und toben nun durch Felder und Dünen.

Meine Wenigkeit hat ebenso Besuch aus Teutonien. Auch wir Freundinnen kennen uns seit über zehn Jahren und benötigen ein paar Tage für uns.

Daher ist hier eine kleine Sommerpause🙂hund im korn

„Roooooooooooooooootkäppchen“….

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hat er immer laut geschrien, der Bademeister.

„Rotkäppchen….rein ins Wasser!“

„Rooootkäppchen… hol Luft wenn Du schwimmst, sonst säufst Du ab“

Ellie hatte Angst vorm Wasser und noch vielmehr Angst vor dem Bademeister.

Sie hat immer extra lange geduscht und hätte sich in den Kabinen des Schwimmbades versteckt, wenn nur die Großmutter sie nicht immer zum Schwimmunterricht begleitet hätte.

„Komm Ellie, alle warten. Zieh Deine Badekappe“ auf…. raunzte die Großmutter dienstags und donnerstags und Ellie zog sich dann den Korkgürtel um und ergab sich fallend ins gechlorte Wasser.

„Roooooooooootkäppchen…. Atme!!“ schrie der Bademeister und fand sich dabei hochwitzig, während er immer zur Großmutter schaute und diese ihm dann ein verschämtes Lächeln schenkte. Die Großmutter war es nicht gewohnt, dass ein fremder Mann nach ihr schaute und so lächelte sie also leicht verschämt, während Ellie davon ausging, dass die Großmutter sich ihretwegen schämte. Und also holte sie Luft und schwamm.

Für die Großmutter lernte sie, gleichzeitig Schwimmbewegungen auszuführen und zu atmen. Dies war wirklich schwierig, denn eigentlich konnte sich Ellie immer nur auf eine Sache konzentrieren. Entweder Schwimmbewegungen machen oder atmen. Viele Liter gechlorten Wasser shat Ellie geschluckt und wieder ausgespuckt, bis sie endlich diese zwei Dinge gleichzeitig tun konnte. Und in diesem Moment konnte sie es selbst kaum fassen, schwamm fast zwei Bahnen ohne Erstickungsanfall und als sie den Kopf aus dem Wasser streckte, um Großmutters Blick zu erhaschen, fand sie diese in ein vertrautes Gespräch mit dem Bademeister vertieft.

An diesem Tag gellte sein „Rooootkäppchen“ nicht durch das Schwimmbad und Ellie beschloss, so lange zu schwimmen, bis die Großmutter sie bemerkte. Dies dauerte noch weitere drei Wochen und als es dann der Großmutter endlich aufgefallen war, dass Ellie gar nicht mehr absoff und spuckte, kaufte sie ihr ein großes Eis und schlug ihr vor, in den Schwimmclub einzutreten.

So schwamm Ellie Woche für Woche, Monate und Jahre, immer schneller und kraulend, um der Großmutter nicht bei ihrem Schwatz mit dem Bademeister zusehen zu müssen. Ellies Schwimmtrainer stand nun am Rand und schrie….“Rooooooooooooooootkäppchen…..gib Gas!“ Und also gab Ellie Gas und wuchs zu einem durchtrainierten, schnell schwimmenden Mädchen heran. Sie tauschte ihre rote Badekappe gegen eine weiße ein, ohne dass ihr Schwimmtrainer dies bemerkt hätte. Der mäkelte nun an Ellies hüftlangem Haar herum: „Rotkäppchen…. schneid‘ endlich die Zöpfe ab, die machen Dich so lahm“. Aber sie schnitt ihre lange Mähne nicht ab, sondern stopfte sie unter immer größer werdende Badekappen.

Bis zu den deutschen Jugendmeisterschaften wechselte Ellie die Badekappen und behielt den schreienden Trainer, die hüftlangen Haare und den Rotkäppchen-Namen. Die Großmutter ging schon lange nicht mehr mit zu Ellies Wettkämpfen, seit der alte Bademeister einem Fahrradunfall erlegen war und Ellie schwamm an gegen das Geschrei des Trainers, der vom Beckenrand aus ihre Zöpfe verfluchte. Im letzten Wettkampf, bevor Ellie in das Kader der Nationaljugend aufgenommen werden sollte, allerdings geschah etwas Unvorhergesehens.

In der Hälfte der letzen Bahn verlor Ellie ihre Badekappe und sie konnte an nichts anderes denken, als daran, ihre Badekappe wieder zu bekommen. Sie wollte das Geschrei wegen ihrer Zöpfe nicht hören und sie vergaß den großen Wettkampf. Inmitten ihrer kraulenden Konkurrenz tanzte die verlorene Badekappe aus der Reihe und schaukelte quer über die Wellen durch das Becken. Ellie schwamm einfach hinter ihrer Badekappe her.

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