50:50….

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scheint die goldene Regel des Landlebens zu lauten. Im Sommer kam die Hälfte des Dorfes zu unserem Einweihungs-Fest. Jährlich gönnt der Nachbar von drüben links unten, dem Dorf einen Tannenbaum. Der wird mit den Jungbauern geschmückt und tags drauf gibt es Grillwürstchen und Glühwein mit Baum-Illumination für alle. Von allen kommt etwa die Hälfte. Da ich dazu gehöre beschließe ich, dass es die netten 50% sind.

Die zugereiste Stuttgarterin bemängelt, dass sich Cliquen bilden. „Nun ja“ sage ich, „sollen sich 40 Leute im Kreis aufstellen und alle gleichzeitig reden?“

Alt steht bei alt, jung bei jung, die Bauern bleiben unter sich und besprechen das Geschäft, Kinder sitzen auf ausrangierten Ferienmöbeln herum, die sogleich dem Feuer übergeben werden. Dazwischen schnacken alt mit jung, neu mit immerschon, Lind mit Hund und alle mit glühendem Wein, gefrosteten Wagen und Händen über dem verbrennenden Mobiliar.

Die neue Zahnärztin verabscheut das Töten und umarmt mich, einfach weil ich ihrem Sohn und dem Gatten das tote Reh im Wald (das in Wahrheit eine klitzekleine Ansammlung von Bäumen ist) gezeigt habe. Sie fragt, ob man jemandem Bescheid geben müsse, wegen des toten Rehs. Ich verneine, weil ich das bereits tat. Irgendein betrunkener Vollpfosten hat es vor ca. 5 Wochen angefahren. In der Nacht muss es gestorben sein. Und weil es da so einsam herum lag, streute ich das Gerücht und keine zwei Tage später lag es zwei Meter weiter im Wäldchen. „Oh“…. sagt die Zahnärztin…. aber ob man da nicht etwas machen könne? „Essen?“ frage ich kopfschüttelnd, „dafür ist es zu spät“.

„Neiiiiin“ sagt die Zahnärztin…. „sollte man es nicht begraben?“

Ich drehe mich dann schweigend um und halte die Hände übers Feuer, weil ich das irgendwie lieb aber auch absurd finde. Wegen der Ehre tät`s mir gefallen,  das Reh zu begraben. Wegen der Natur gefällt`s mir besser, dass Ratte, Marder, Fuchs…. schon einen Happen genommen haben. Ja…. auch das möchtegernwindige Tier fand nach einigen Wochen (in denen ich das Fräulein Hund immer weg zog vom verwesenden Tier) plötzlich ein einzelnes Bein auf dem Feld und verspeiste es in Teilen.

Asche zu Asche…. denke ich, während ich aufs Feuer starre und noch vor fünf Jahren hätte ich so eisigen Wind nicht ausgehalten. Jetzt stehe ich munter und dich eingepackt geschlagene drei Stunden da herum und denke darüber nach, den Jagdschein zu machen.

Einfach so…. als Ehrbezeugung für das möchtegernwindige Tier, das nie jagen durfte, weil es in der EU verboten ist, dass so ein Hund selbständig tötet. Hier dürfen sie nur aufstöbern und holen wenn der Jäger geschossen hat. Ich könnte also Jägerin werden, wenn das Fräulein mal die Ebenen gewechselt hat und stellvertretend für sie…..

Naja…. lassen wir das. Ich führe ein großes Maul und habe doch ein Hasenherz. In Wirklichkeit zähle ich das Wasser, dass sie trinkt (4 Liter pro Tag) und bin entweder übernächtigt oder putze morgens in der Früh das Malheur weg. Aber dann gehen wir los…..und jagen die Sonne, grüßen die Möwen und lauschen der Stille. Einfach, weil außer uns keiner mehr da ist, am Meer.

morgensonnchen

Die Läden meiner italienischen Kindheit…..(3)

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lese ich im benachbarten Teestübchen und schon startet der Film im Kopfkino so, als sei er erst gestrig gedreht.

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Wir schreiben die Jahre 1967-1969 und ich werde zwischen dem italienischen Gerberdorf und Frankfurt hin und her verschoben. Heimweh kenne ich nicht. Das habe ich erst mit Mitte Zwanzig  aus unterschiedlichen Gründen entwickelt. Ich kann mich allerdings noch gut an meine Panik erinnern, als ich vierjährig in Bologna im Kaufhaus Upim verloren ging. Keine Mutter, keine Nonna in Sicht und ich mittendrin in dem Gewusel. Ein Gedanke schoss mir durch den Kopf: „Jetzt musst Du dir sofort ein neues zu Hause suchen“. So stand ich ratlos unter den Arkaden, als panische Mutter und panische Nonna mich fanden. Während ich in Deutschland Mutter, Kinderarzt und Kindergarten mit meiner Appetitlosigkeit in Aufregung versetzte, ging ich in Italien zum Alimentari und bei der Nonna gab es zum Mittagessen einen Schluck Rotwein mit Sprudel aufgegossen. Sonntags gingen wir Essen zum „Bei“. Ich war den Tränen nah, als ich ihn zum 70. meiner Mutter und ihrer Zwillingsschwester wieder betrat.

Unsere Wohnung lag direkt am Marktplatz, Ecke Ho-Chi-Min-Straße. Das stinkende Gerberdorf hatte eine alte rote Tradition. Mein dritter Großvater Ugo, der ein eigenes Kapitel verdient, hatte schon unter Mussolini die rote Fahne auf dem Balkon platziert. Und er war nicht der einzige, sondern ganz im Gegenteil: das halbe Dorf hatte damals aus Protest gegen die Faschisten, die roten Fahnen aus den Fenstern gehängt. Vermutlich waren die Italiener schon im Faschismus nicht so pingelig und konsequent wie die Deutschen, drum durften da im Dorf alle Roten überleben.

Unter der Woche spielten wir Kinder auf dem Marktplatz, am Arno und in den Hinterhöfen. Samstags allerdings, war der ganz besondere Tag.

„Andiamo al Mercato“…. Sagte die Nonna und so traten wir aus dem Haus direkt auf den Marktplatz. Frauen kauften lebende Hühner und banden sie kopfabwärts hängend an ihre Fahrräder. Nachmittags sah man sie in den Hinterhöfen sitzen und die gemordeten Hühner rupfen. Mitleid empfand ich als Kind nicht. Nur ein einziges Mal, als ich sah, wie eine alte Frau mit einem dicken Knüppel hinter einer Katze her lief. Ich hoffe noch heute, dass die Katze der alten Hexe entkam. Auf dem Markt gab es einfach alles: Unterhosen für die Nonna, Töpfe, Hühner, langweiliges Gemüse, öltriefende Bomboloni fritti und vor allem gab es Käsestand. Es gehörte zu unserem samstäglichen Ritual, das wenn wir am Käsestand ankamen, die freundliche Marktfrau mir ein großes Stück Parmigiano reichte. Den verschlang ich genüsslich und hopste dann fröhlich davon. Kurz zuvor hatte mir die Nonna 100 Lire (damals ca. 50 Cent) in die Hand gedrückt, damit ich mir am Spielzeugstand etwas aussuche. Dies war der längste und schönste Teil des Marktes, denn ich stand mindestens eine Stunde lang an der Tavola con i Giocattoli. Die Nonna war längst wieder zu Hause, hatte die Taschen ausgepackt und das Mittagessen in Angriff genommen und ich stand immer noch unschlüssig herum. Für 100 Lire konnte man einzelne kleine Plastikmöbel kaufen, die in Puppenhäuser passen. Oder aber kleine Plastikmonster oder aber kleine Plastikpuppen. In Gedanken ging ich durch, was ich schon besaß und was ich unbedingt noch haben wollte und der Entscheidungsprozess zog sich hin. Es war alles irrsinig bunt und ich vermute, ich schwankte mehr zwischen den Farben, als zwischen den Gegenständen. Die ließ ich mir spätestens zwei Tage später von Stefania und Stefano – dem Geschwisterpaar aus unserem Haus – wieder abluchsen. Die wisperten hinter meinem Rücken und versuchten mir die Sachen zu klauen. Ich tat so, als ob ich es nicht merke und ließ ihnen die Freude. Eigentlich hing ich noch nie an Dingen.

 

 

Die Läden meiner italienischen Kindheit…..(2)

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lese ich im benachbarten Teestübchen und schon startet der Film im Kopfkino so, als sei er erst gestrig gedreht.

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Mein Großvater war Gastarbeiter. Als er aus der russischen Gefangenschaft kam, hatte er sich im Norden Frankfurts eine Lederfabrik gepachtet. Die allerdings brannte in den fünfziger Jahren ab und die Stadt Neu Isenburg setzte ihn vor solch große und teure Hürden des Wiederaufbaus, dass er aufgab. Es kam ein Angebot aus Italien und so zog er mit Gattin und den drei Töchtern in die Nähe von Pisa. Während er dort eine Gerberei leitete und der Bürgermeister des stinkenden Dorfes noch bei der Hochzeit meiner Cousine dem alten Herrn dankte, wuchsen seine drei Töchter dort auf.

Man war übel beleumundet im stinkenden Gerbereidorf, denn die Deutschen hatten sich eine Wassertoilette einbauen lassen in die Wohnung und das schien fast so pervers wie viele andere, weitaus schlimmere Dinge. Hätte der alte Herr sich verpflichtet, dort fünf Jahre zu bleiben, hätte man ihm ein Haus geschenkt. Aber der alte Herr wollte unabhängig bleiben. Er blieb 25 Jahre und bekam kein Haus. Dafür bekam meine Mutter einen italienischen Schulabschluss und zunächst eine Lehrstelle in Florenz, dann in Frankfurt bei der Frankfurter Rundschau. Sie wurde Verlagskaufrau (gibt’s so heute gar nicht mehr), lernte meinen Vater kennen undsoweiterunsweiter.

Ein Kind wurde geboren, also Ich, und kaum das es Laufen konnte, durfte es in Italien bleiben. Die Familienlegende lautet: Du wolltest das so.

Nun…. als ich größer wurde und so manches wollte, durfte ich es nicht. Z.B. mit 16 das Gymnasium verlassen, um an der Hochschule für darstellende Kunst, ganztags weiterhin die Ballettetage zu beehren. Aber als ich angeblich mit 2-3 Jahren in Italien bleiben wollte, da durfte ich. Mehr ist den Generationen über mir nicht zu entlocken.

In Italien konnte man meinen deutschen Namen nicht aussprechen, ohne dass es nach Übelkeit und Erbrechen klang. Also löste ich das gekonnt, indem ich den Namen meiner dortigen Freundin annahm. Wenn mich jemand nach meinem Namen fragte, so hieß ich „Lucia“.

Meine Familie schleppte mich zweimal im Jahr von Italien nach Deutschland und zurück. Ich hatte zwei Sprachen, zwei Elternhäuser, zwei Freundinnenkreise, zwei Wohnorte und nur einen Kindergarten: den Deutschen. Den habe ich gehasst und den italienischen Kindergarten hatte ich sehnsüchtig vor der Nase, aber dort durfte ich nicht hin. Also stand ich vormittags am Fenster meiner Großmutter und schaute auf die Kindergartenkinder in ihren schwarzen und weißen Schürzen. Um mein Seelchen zu erfreuen, ging ich ins Alimentari um die Ecke.

„Paga Nonna“ (die Oma zahlt)…. Sagte ich routiniert schon beim Eintreten. Meine Kindernase nahm die herrlichen Gerüche von Seife, Käse, Wurst, Waschmittel und Mottenkugeln auf. Ich nahm aus der Theke einen kleinen Formaggino (Käs’chen) und aus dem Regal ein Miniaturnutella‘chen, so wie man es heute noch morgendlich in den Hotels am Frühstücksbuffet findet.

Im Hotel bin ich heute noch gerne und vermutlich habe ich immer schon, wegen des frühen Musters: zwei Wohnungen, zwei Leben, zwei Sprachen (und bis vor einigen Jahren immer einen Mann zuviel).

Während ich in Deutschland zum Karneval als Clown oder Schornsteinfeger gehen musste, durfte ich einmal wenigstens in Italien fast die Prinzessin sein, die ich immer habe sein wollen und es doch nie war.

Von der Nachbartochter Allessandra bekam ich das abgelegte blaue Feenkostüm mit allem Pipapo: den Dreieckshut mit Tüllschleier, das hellblaue Tüll-Satinkleid mit aufgenähten Sternen und weiten Ärmeln, den Zauberstab mit blauem Glas-Stern oben drauf. Dazu zwei Stunden Verwandlung mit hellblauer Perücke, geschminkten Katzenaugen und meinem ersten Make-up.

Wir schreiben 1969 und ich bin fünf Jahre alt und weiß noch nicht, dass die Einschulung in Deutschland kurz bevor steht.

Glücklich gehe ich als blaue Zauberfee ins Alimentari um die Ecke. Ich greife nach Formaggino und Mini-Nutella…als mich die Signora hinter der Theke fragt:

„Ma tu chi sei?“ …. (Ja,wer bist Du denn?)

„Sono della mia Nonna“(ich bin die von meiner Oma)

„E chi’è tua Nonna?“ (Und wer ist Deine Oma?)

„Quella di sempre“ (die von immer)

Sie hat mich gewähren lassen wie immer und die Oma hat bezahlt –wie immer.

Ich hingegen war selig, so gut verkleidet zu sein, dass mich niemand erkannte.

 

Die Läden meiner Kindheit….. (1)

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lese ich im benachbarten Teestübchen und schon startet der Film im Kopfkino so, als sei er erst gestrig gedreht.

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1969 ist es, als ich gerade fünfjährig an der Hand meiner Mutter durch das frankfurter Nordend laufe. Meist bin ich nicht bei ihr, sondern bei meinen Großeltern in Italien. Wenn ich aber in Frankfurt bin, gehen wir gemeinsam Milch kaufen. Ich hasse das Geschäft, das eine Meierei ist. Es gibt frische Kuhmilch (die ich verabscheute) und Eier. Der Geruch des Ladens hat sich mir bis heute eingeprägt. Angeblich hatte ich schon die Muttermilch nicht gern getrunken, aber die war glücklicherweise rationiert, denn man hielt in den frühen 60ern noch viel davon, Kindern einfach mal schreien zu lassen. Offenbar hatte ich früh schon eine gute Portion Trotz und Unabhängigkeit entwickelt. Gibst Du mir keine Milch, will ich auch keine von der Kuh. Fertig. Es war ein Heidenspaß, die Mutter durch Appetitlosigkeit zu sorgen. Der Kinderarzt empfahl appetitfördernde Tropfen, die mit Eierlikör einzunehmen seien. Den mag ich bis heute.

1970 ist es, als ich frisch eingeschult und also damit schon fast erwachsen mit der ums-Eck-Freundin zum Wasserhäuschen am Holzhausenpark gehe. Eigentlich gehen wir dort nur vorbei, aber es ist sehr verlockend, diese trinkenden alten Männer anzuschauen, die immer ein bisschen unangenehm riechen, aber zu uns hochfreundlich sind. Wir kaufen Wassereis und schauen den alten Männern dabei zu, wie sie hinter das Wasserhäuschen pinkeln. Eklig und merkwürdig finden wir das, aber wenn die großen Jungs kommen und uns Prügel androhen, dann verjagen sie sie und wir schauen Enten dabei zu, wie sie die Holzhausenstraße überqueren, fast so, als wollten sie sich auch was am Wasserhäuschen holen.

1973 ist es, als ich neunjährig und mit erstem Taschengeld versehen, mit der Freundin aus Kindergartentagen zum Ballettunterricht in die Geschäftsstelle der Frankfurter Eintracht im Bornwiesenweg laufe. Wir gehen zunächst zum Turnunterricht und die Räder und Unterschläge auf  Balken und Stufenbarren gelingen mir leicht. Danach geht es erst zum Balletunterricht und ich entpuppe mich als talentiertes Mädchen, was meinen Eltern und mir einige Jahre später noch einigen Zwist bescheren wird.

Davor drücken wir uns durch Herrn Schreibers Buchladen. Dies werden wir auch später noch tun, wenn das Taschengeld aufgestockt sein wird für die von Deutschlehrern verlangten Käufe von Reclamheften. Pole Poppenspäler, Hanni & Nanni, Dolly, die fünf Fragezeichen, Lessings Nathan, Emilia Galotti und der Urfaust werden in den nächsten Jahren in unsere Hände gelangen. Bis dahin hatten wir nur Taschengeld und kauften bei Herrn Schreiber Radiergummis und Spitzer. Sein Buchladen war eine Kirche. Turmhoch hatte er Bücher aufgestapelt, denn seine Regale reichten nicht aus. Wenn wir ein Buch oder Reclamheft verlangten, rollte er nachdenklich die Augen und schwieg. Dann ging er vorsichtig und langsam durch die verbliebenen Gänge durch seine Büchertürme. Er zog hier und überlegte da, um dann sogleich das begehrte Stück auch in zweifacher Ausfertigung zum Tresen zu bringen. Wir trauten uns kaum, in seinem Laden herum zu laufen, denn die Buchtürme waren krumm und schief, und zu groß war unsere Angst, wir könnten einen umreißen. Aber wir hatten das sichere Gefühl, in einer heiligen Atmosphäre so einer Art Sankt Martin gegenüber zu stehen, der mit uns seinen Mantel teilte.

1975 ist es, als ich in der sechsten Klasse des Elisabethengymnasiums das Toto-Lotto-Geschäft von Herrn Klemm endlich betreten darf. Ich muss keine Schulbrote mehr mitnehmen, sondern darf bei ihm für kleines Geld einkaufen. Ich bin immerhin zwölf und fange an, ein Gefühl für „cool“ zu entwickeln. Wer beim Zeichen zur großen Pause zuerst aus dem Klassenraum ist, hat gute Chancen bei Herrn Klemm in der ersten Reihe zu stehen. Es gelingt mir täglich, einen „Gedetschten (Brötchen mit zerquetschtem Schokokuss) zu ergattern und cool vor der Schule damit herum zu stehen. Erst ein Jahr später begreife ich, dass es viel cooler ist, etwas später bei Herrn Klemm anzulanden. Wir stehen dann hinter den großen Jungs aus der Klasse über uns. Wenn wir dann endlich in den Schulhof zurück kommen, stehen die großen Jungs schon verbotener Weise rauchend vor der Schule. Da kein Durchkommen ist, stellten wir uns einfach kichernd dazu und kommen zu spät zum Unterricht. Das ist cool und cooler wird es erst, als wir drei Jahre später aus den Fenstern springen, um auf dem Römerberg zu protestieren. Mal mit dem Stadtschülerrat, mal wegen der Startbahn West und später wegen der Pershings und auch sonst allerlei Dingen, die sich bis heute nicht gebessert haben.

 

To be continued…. mit dem italienischen Teil meiner Läden der Kindheit.

 

 

 

Huch…..

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es schneit im November?

War das früher auch so?

Verrückte &, gefährliche Männer werden an die Macht gewählt?

War das früher auch so?

Ah…. man erntet, was man gesät hat?

Ach soooo… und die Mauer soll gar nicht um sein Grundstück?

Wie schade eigentlich. Ich hätte dies für eine gute Idee gehalten. Er wäre vor der Welt sicher und die Welt vor ihm. Ein paar hübsche, adrette Krankenschwestern hätten ihm die dringend benötigten Psychopharmaka anreichen können und einmal in der Woche hätte er eine persönliche Ansprache an seinen Psychiater gehalten. Jener wäre fürs Zuhören fürstlich entlohnt worden, und allen wäre gedient.

Stattdessen müssen wir uns das Gedöns nun anhören und seine Spucknäpfe ausleeren?

Ahaaa….. das gehört dazu wenn man wählen darf?

Und wie konnte das nochmal passieren, dass Hirne zu Mashmellows wurden?

Ahaaa…. wir sind mal wieder selbst schuld.

Tja…. und es schneit wirklich im November?

Das erklärt, warum mich fröstelt.

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Mein Mann liest Heftchen….

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…. stelle ich fest, als ich ihn abends in seiner Werkstatt überrasche, die auch unser Rauchsalon ist.

Mit einem Glas Wein in der Hand und dem Wunsch nach einem Plausch und etwas blauem Dunst, betrete ich die neu aufgebaute Zentrale der Weltherrschaft und finde ihn mit leuchtenden Augen über bunten Bildern sitzen. Er schaut etwas betreten und reicht mir dann das Männerheft rüber. Zugegeben (ich kann Diskriminierung nicht ertragen und bin dennoch keine Freundin von zu viel Genderdebatte)– es gibt auch Frauen, die solche Heftchen lesen.

Leicht befremdet schaue ich ihm über die Schulter und er zuckt mit den Achseln: „es wird Winter…. die dunkle Jahreszeit hat schon begonnen…. Draußen ist es so eklig und kalt…. Ich brauche was fürs Gemüt“ sagt er und schaut mich verständnisheischend an.

Ich werfe einen Blick in sein Heftchen und lese von der wonnigen Christine, von der lieblichen Rosalie und von der harten Anja. Ich muss zugeben: das hat was.

Und so frönen wir nun gemeinsam abendlich dem Seelchenprogramm, das uns den nahenden Winter leichter aushalten lässt. Wir blättern in Blumenteppichen, Rambler-Rosen, vierfarbigen Ahornen und Maracujapflanzen. Am liebsten würden wir ihnen allen ein Heim geben und alle zu uns kommen lassen. Nur dieses Spalierobst und diese blauen Züchtungen, die sollen bitte woanders Asyl suchen.

Täglich kommen neue Kataloge und tatsächlich hat gestern der tapfere Winterkrieger noch 125 Blumenzwiebeln in der feuchten und dunklen Erde versenkt, während ich die letzten Schneewittchenäpfel in die Stube hole.

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Ich vermisse das Meer, obwohl es nur 3 km entfernt ist. Aber ohne das alte Hundefräulein mag ich alleine nicht hingehen. Es käme mir wie ein Verrat an ihr vor und also schleichen wir ums Dorf. Schlimm genug, dass ich das Meer eines Tages ohne sie sehen werde. Ich vermisse unsere dreistündigen Läufe an den nun geöffneten Vogelschutzküsten und sitze statt dessen brav am Schreibtisch, die Steuer machend.

Derweil spielt der Mann mit seinen Eiern, die er für die Hühner des Zimmermanns macht.

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Fürchtet Euch ! …..(Rostparade 14)

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Vergesst jetzt mal den Sensemann,

und lasst viel lieber mich mal ran!

Ich lasse Eure Knochen krachen,

und mach auch sonst noch ganz viel schlimme Sachen:

Ich pfeife durch kalte Luft

verströme einen üblen Duft,

reiße Häute auf und raus die Augen,

werde Eure Seelchen saugen,

Euer Atem möge stehen still,

denn das ist es, was ich heute will.

Lasst Eure Zähne klappern, Herzen schlagen

und stellt Euch trübe, bange Fragen.

Vor mir, da kann jetzt niemand fliehn

denn heut, Ihr Leut, ist Halloween.

oktober2016

Am letzten Tag des Monats, folge ich mit Freude Frau Tonaris Rostparade. Bei Ihr sind alle relevanten Verrostungen verlinkt🙂

Käfigruhe

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So fröhlich ist das alternde Möchtegernwindhundfräulein noch vor zwei Wochen über den Deich geflitzt. Nach Wochen konnten wir endlich das Kortison ausschleichen. Nun plagen sie schlimme Schmerzattacken. Nachts steht sie zwei Stunden hechelnd vor mir. Sie kann nicht laufen, sich nicht setzen, sich nicht legen. Die Spondylose schreitet nun schlimm und schnell voran.

Also fahre ich alleine zum Tierdoc. Das Wartezimmer ist voll. Eine Bäuerin erscheint mit Sohn und großem Hund. „Er wird heute erlöst“, sagt die Bäuerin tapfer und mir schießen die Tränen in die Augen. Der Sohn ist mitgekommen, um den toten Hund aus der Praxis zu tragen. Ich weine. Der große Hund ist vom Krebs aufgezehrt, hechelt und schaut doch noch zuversichtlich umher. Ein älterer Mann erscheint mit seiner Katze, die er in eine lilafarbene Plüschdecke eingewickelt im Arm hält. Wie ein Baby hält er sie und weint. Ich weine mit und die Bäuerin und der Rest des Wartezimmers lässt still ebenso die Tränen laufen. Keiner sagt was und als ich weinend das Sprechzimmer betrete, schaut mich die Tierdoc alarmiert und fragend an.

„Ich weine, wegen dem, was Sie gleich noch erwartet“ winke ich ab und die Tierdoc weint nun auch. „Ich weiß, seufzt sie“. Ein böser Freitag.

Ich bekomme Kortison und Schmerzmittel für das alte Hundefräulein. Tierdoc und ich tippen auf zwei schlimme Baustellen (Spondylose + Gewächs im Inneren) und Möchtegernwindhund bekommt ein fast völliges Bewegungsverbot. „Wir nennen das Käfigruhe“, sagt die Tierdoc. Keine ausschweifenden Spaziergänge, kein Deichgeflitze (ginge eh grad nicht), kein Rein-Rausgehopse ins Auto.

Also schonen wir den Hund und pflegen den Garten. Wir schneiden die Eibe, mähen das Gras und ernten Laub. Die Laubernte ist gewaltig in diesen windigen Tagen und ich hole noch ein paar letzte Schneewitchenäpfel vom knorrigen, alten Baum.

Ich verräume die Sommerklamotten und sage die weihnachtliche Reise nach Frankfurt ab. Das alte Fräulein ist nicht mehr reisefähig und ich halte die Hoffnung hoch, dass sie Weihnachten noch erleben darf? Nächste Woche wird sie 13.

 

(2008)

Schwups…..

bin ich schon wieder weg.

Eigentlich wollte ich Inselgeheimnisse von im Regen stehenden Bauern mitteilen, die Pfützen mit Schaufeln ausschöpfen, von Feldern die voller Hubertchens (kleine Fasane) sind und wie sie zu ihrem Namen kommen. Wollte vom gewilderten Reh erzählen und diesmal war es kein Hund. Vor allem aber wollte ich vom hartnäckigen Inselgerücht erzählen, nachdem die Touristen mit den Fahrrädern, die ganzen Schlaglöcher in die Straßen gemacht haben.

Stattdessen aber muss ich wieder los und werde erst am Ende der Woche wieder auf Inselanien anlanden, um auszuschnaufen.

heute gibt’s was auf die Ohren….

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einfach, weil es ohne Unterlass regnet,

einfach, weil mein Rücken schmerzt,

einfach, weil das Hundefräulein heute einen schlechten Tag hatte,

einfach, weil ich zu müde bin, spannende Voodoogeschichten aus dem Bekanntenkreis zu überdenken,

einfach, weil ich mich freue, dass der weltbeste Mann endlich eine Elfe gefunden hat, die mit ihm ins australische Horn bläst,

einfach, weil ich den Winter gerne nochmal vorher vertreiben würde.