Was hättest Du dazu gesagt….

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Papa? Das frage ich mich seit Januar fast täglich. Wärst Du ängstlich gewesen ? Mit Sicherheit. Du warst 40 Jahre chronisch schwer krank und hättest Dein hohes Risiko erkannt. Aber du warst auch immer ein kritischer Geist. Hätte ich zu Besuch kommen dürfen? Oder wäre Dir isoliert mit Deiner Frau zu sein, lieber gewesen? Vermutlich hättest Du Dich von der Ängstlichkeit zum Kopfschütteln entwickelt, hättest täglich Zahlen und Meldungen studiert und Deine ganz eigenen Schlüsse gezogen. Vielleicht hätte ich dich schon beim ersten Lockdown überreden können, mit Muttern zu uns auf die Insel zu kommen. Sie alleine, ohne Dich, war leider nicht bereit dazu. Es ist ihr hier zu langweilig auf dem platten Land. Und so wollte sie natürlich auch beim zweiten sog. light-lockdown nicht zu uns kommen. Du hättest mit mir die Einsamkeit der Insel genossen. Wir hätten ein paar Rampen für den Rollstuhl einbauen können und ich hätte dich im Auto mit ans Meer genommen. Dort hätten wir uns über die weltwirtschaftlichen Folgen unterhalten, Intensivauslastung betrachtet, Zahlen jongliert und uns seufzend ins aktuelle Schicksal begeben. Weißt Du, ALLES hat sich verändert und mir fehlt der Glaube, dass uns die Politik je wieder in gekannte Freiheiten zurück lässt.

So wie bei der Grippe hättest Du auch jetzt ganz vorne in der Warteschlange für die Impfung gestanden. Leider wurdest Du nach jeder Impfung richtig krank und darum haben wir anderen uns alle nie impfen lassen. Alle wollen jetzt Beamte werden. Kein Wunder. Und ich streife durch die Natur und denke darüber nach, ob man eine Promovierte hier als Putzkraft nehmen würde. Vermutlich nicht. Dafür werde ich ein kleines Büchlein herausbringen und wenn es kommt, sofort mit dem nächsten anfangen, was mir auch mehr Spaß bringen wird. Im Dezember werde ich noch einen Kunden besuchen, der es ausdrücklich wünscht. Selten in diesen Tagen und auch werde ich ein Blockseminar dann für Studenten online halten. Ich bin gespannt, neugierig, aber auch ein bisschen traurig. Seit fast 30 Jahren tue ich das und liebe den direkten Kontakt mit meinen Kunden und Studenten. Aber ich genieße auch die Neusortierung meiner Kontakte. Die vielen Freunde, die uns immer gern besucht haben, sind nun ängstlich zu Hause und wir haben unsere Ruhe. Nur die wenigen, heißgeliebten kommen noch und das ist auch gut so. Ich muss nicht mehr mit Geschäftspartnern essen gehen, keine Treffen im Kollegenkreis, keine „wir-müssten-mal-wieder“-Verabredungen. Das ist alles so angenehm, das ich zunehmend auswildere und merke, wie unheimlich gerne ich alleine bin. Das liegt aber auch daran, dass ich nicht einsam bin.

Also pfeife ich am Strand und tanze mit den Fiffis durchs Wasser. Auch gut.

Von Schnecken und Igelscheiße……

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…. könnte ich schreiben, die die Kleine morgendlich ins Haus schleppt, wenn sie kurz mit der vollen Welpenblase in den Garten flitzen darf. Vom Laub, das sie hereinschleppt, Ästen und Spinnen, und alles landet im Körbchen und wird dort für langweilige Zeiten abgelegt.

Ich könnte auch davon schreiben, wie es sich so als Freiberufler lebt, wie es ist, plötzlich vom Mann abzuhängen und wie es ist, wenn man dann in der Selbstbemidtleidung hört, man bemitleide sich selbst.

Natürlich könnte ich auch meine ganzen Fragezeichen rausposaunen, was die allgemeine, die politische und virale Großwetterlage angeht. Glücklicherweise beziehen sich mittlerweile und gelegentlich etablierte Medien und Politiker ebenso auf diese Fragezeichen und so komme ich wenigstens in den Genuss, nicht gleich der Nähe zu verschwörten Veganköchen bezichtigt zu werden. Aber es ist mir letztlich wurscht, wie Menschen, die den Dialog nicht mögen, mich sehen.

Ich habe mich viele Monate ausruhen dürfen – ohne Soforthilfe, ohne Rente, ohne Kurzarbeitergeld oder Beamtenbesoldung. Nun kamen langsam die Aufträge zurück…. aber…. leider hatten die Verschwörer recht, die im Frühjahr meinten, es gäbe im Winter einen erneuten Lockdown. Aber darüber möchte ich mich genauso wenig auslassen, wie über Igelscheiße und Schnecken im Welpenkörbchen. Das eine ist mir zu anstrengend und das andere zu seicht.

Ich bemerke wie die Welt und ich sich voneinander zurück ziehen. Meinen Beruf, den ich seit 29 Jahren liebe, werde ich nur noch sehr begrenzt so ausführen können wie bisher… und „hey“…. könnten Sie jetzt rufen ….“jede Krise ist eine Chance wenn man ihr den Beigeschmack der Katastrophe nimmt“ könnten Sie jetzt frei nach Max Frisch zitieren. Aber mich schmerzt das und umso mehr, als dass ich den massiven Einbruch nicht selbst verschuldet habe. Das ist vermutlich so eine saudumme Angewohnheit der Selbständigen, immer Erfolg und Misserfolg sich selbst zuzuschreiben.

Aber jammern finde ich ebenso doof wie Seichtes oder Anstrengendes und ja, man findet immer Solche, die es leichter oder schwerer haben. Worüber also schreiben, wenn nicht über Igelscheiße, Schnecken oder Großwetterlage? Vielleicht über den alten Nachbarn, der es nicht verstehen kann, dass die Frau nur eine Stunde pro Woche ins Pflegeheim darf, um ihn zu besuchen. Andere finden das gut, weil es fürsorglich sei und ich finde es unmenschlich. Aber flups….. schon sind wir wieder beim großen Thema. Das ist einfach kein Blogthema in Zeiten, in denen alle so aufgeregt zu sein scheinen, dass eine Kontroverse mit Respekt und Freundlichkeit ausgetragen werden könnte. Ich verweigere mich auch den ganzen klugen und dämlichen Witzen und Nachrichten, die einen so über Messengerdienste erreichen. Wer nicht die Zeit oder den Wunsch hat, mit mir zu telefonieren, soll mich bitte verschonen.

Tja…ich muss das Schreiben für mich zum 187. Mal neu finden…oder es lassen oder einen Salon eröffnen. Das wäre ein Traum…. aber geht ja gerade nicht, wegen der Igelscheiße und den Schnecken.

So hängt man halt mit dem Popo am Abgrund und wird dennoch irgendwie gehalten.

Eine kleine Reise….

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haben wir uns gegönnt, nachdem die große Schwedenreise für uns im Frühsommmer ausfiel. Ein Wohnmobil sollte gemietet werden, der Hund und wir in die Midsommernächte…. aber der grassierende Wahnsinn hat es verhindert und stattdessen hatten wir viel Besuch.

Freunde haben uns nun ihren Wohnwagen verkauft und wir fuhren drei Tage zum Probecamping in die Holsteinische Schweiz an den großen Plöner See, mit zwei Hunden und herbstlichen Nächten. Um es kurz zu machen: Camper werden wir wohl doch nicht. Früher fuhren wir im WoMo durch Frankreich, wo man überall stehen konnte und die Bauern lustig winkten, wenn man sich bei Ihnen in den Weinbergen nieder ließ. Deutsche Campingplätze sind nicht so meins. Ja, da waren sehr hilfsbereite, ältere Menschen, die halfen, das Vorzelt aufzubauen und dies mit dem hilflosen Versuch, Mindestabstand zu wahren. Sehr lustig und auch schön, wie dann allzu Menschliches wieder durchbricht. Oder ich müsste sagen: noch.

Die Kinder werden schon in der neuen Normalität groß und werden fassungslos den Kopf schütteln, wenn wir Älteren dann erzählen, wie es früher war. Wie wir mit tausenden auf Konzerten standen, Fremde umarmten, Clubnächte durchtanzten. Und nun, wo die Schnupfenzeit ansteht, wird die neue Panik vermutlich wieder hässliche Blüten treiben. Aus beruflichen Gründen habe ich mich länger mit Hirnwäsche beschäftigt, aber das ist ein Thema, das ich jetzt nicht ausführen möchte.

Also Camper werden wir nicht mehr, auch wenn es herrlich war, durch die Gegend zu streifen, mit den Hunden auf engem Raum zu knuddeln und der Platzbetreiber frische Brötchen im Angebot hatte. Mir ist das zu eng mit all den Verboten und Regeln und Schweden werden wir vermutlich dann doch mit der Anmietung unterschiedlicher Ferienhäuser bereisen. Mal sehen, was das new normal im nächsten Sommer so her gibt.

Die kleine Mini greift größenwahnsinnig nach der Weltherrschaft, schwimmt, taucht, kläfft, verprügelt die Große und fürchtet nichts außer dem Didgeridoo des Mannes. Dann steht sie knurrend in seinen Fersen und beäugt das große, laute Ding.

Wochenfazit

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Nun ist die kleine Mini schon eine Woche bei uns und hat nicht nur den Transport von zweieinhalbtausend Kilometern gut weg gesteckt. Sie ist wirklich angekommen, in größter Selbstverständlichkeit hat sie sich eingewöhnt und nervt in Welpenmanier die „Große“.

Palma lässt sie atmen, überleben, fressen, in der Autobox mitfahren und sich die Kuscheltiere klauen. Nur ihr heiliger Sessel, den sie seit über zwei Jahren bewohnt, den verteidigt sie mit bösen Blicken, einem Knurrer und die Kleine weicht sofort zurück.

Dafür zeigt Mini der Großen eine lange Nase, wenn es um die Unerschrockenheit geht, mit der man sich in Wasser und Wellen schmeißt. Diese Tage hat der weltbeste Mann das Vergnügen mit den Damen, da ich im Maindörfli mal wieder arbeiten darf…. Grmpf…..

Ich versuche meine Wut über die hysterischen Schlagzeilen zu dämpfen, übe mich in Gelassenheit hinsichtlich des „new normal“, das eine Pandemie an erzeugten Angststörungen darstellt. „Ausatmen, fröhlich bleiben“ sage ich mir und bleibe geschmeidig.

Alles anders….

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So schnell ist der Sommer vergangen und seitdem irgendwie alles anders geworden ist, scheint auch mein Zeitgefühl vollkommen abhanden gekommen zu sein. Ich lebe in einer Blase aus „jetzt“ und nehme dies verwundert zur Kenntnis.

Bekannte und Freunde zeigen neue Gesichter. Ängstliche Gesichter, verzweifelte Gesichter, trotzige und fröhliche Gesichter. Nicht alle sind mir so lieb wie vorher und sicherlich gilt dies umgekehrt auch. Mit Erstaunen nehme ich zur Kenntnis, dass einige, die Wert auf kritische Toleranz legten, nun emotionale Notfallreaktionen („davon verstehst Du nichts“) zeigen, wenn man ihnen nicht gleich zustimmt.

Ich bin gelassener geworden und ziehe mich schneller zurück wenn ich merke, dass Beziehungen nicht tragen. Ich bin reich an freier Zeit geworden, denn mein Business ist erst mal ganz weit runter gefahren. Ich bin 14 Kilo leichter geworden, weil ich in Zeiten des Lockdowns als alle mehr zu Hause saßen und fraßen, das Essen krass reduzierte und an den leeren Stränden der geschlossenen Insel flanierte.

Palma hatte vom Galgofreund und ich von der dazugehörigen Frauchenfreundin Besuch und wir waren täglich schwimmen, haben uns gebräunt, gelacht, die Zeiten verhöhnt und uns auf Mini gefreut, die wir nun übermorgen von der holländischen Grenze abholen. Sie war mit wenigen Wochen mit einem Strick in den Bergen aufgefunden worden und wurde nun vom Tierschutz gepäppelt, geimpft und tritt morgen ihre lange Reise an.

Die Aufregung steigt im Hause Meertau.

mini1

Da Sprache Wirklichkeit (mit-)erschafft,

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…. habe ich beschlossen, einige Worte auf die Goldwaage zu legen und Ihnen (die hier noch lesen) abschließend ein Geheimnis für Glück zu verraten.

Ich fühle mich nicht im „Krieg“ gegen ein Virus, sondern ich betrachte mit größter Beunruhigung, wohin uns diese Sprache führt. Nämlich in den Irrsinn, die Angst und die Unfreiheit. Mit aller Kraft scheint eine wesentliche Mehrheit an den Gitterstäben von innen fest zu halten, die sie sich selbst durch Panik und geschürt durch Zahlenspiele, gesetzt hat. Ich kann auch das Wörtchen „systemrelevant“ nicht mehr hören, denn ich halte es für einen versteckt faschistoiden Begriff, der neue Unterscheidungen zu treffen versucht. So soll ich dankbar dafür sein, dass Menschen ihren Job noch machen, die immerhin froh sein können, noch einen Job zu haben.

Ich kann auch den Schlagzeilen nicht glauben die mir weiß machen wollen, dass die „neuen Arbeitslosen durch Corona“ entstanden sind. Sie sind nicht durch Corona arbeitslos geworden, sondern durch Entscheidungen von Menschen. Im übrigen wurde uns der weltweite  Kollaps des Wirtschaftssystems schon 2019 durch die Wirtschaftsweisen vorher gesagt.

Sind all die Künstler, Arbeitslosen, Bahnschaffner oder Fitnesstrainer nicht relevant für das System? Sollten nicht Tanzlehrer unsere Helden sein, statt Lokalpolitiker? Hier auf Inselanien finden sie nämlich, dass das Homeoffice eigentlich gut funktioniert, ebenso wie Videokonferenzen und daher bleiben die Ämter geschlossen und man kann ja telefonisch um einen Termin bitten, wenn man es gar nicht umgehen mag oder kann, sie persönlich zu sprechen? Schön, dass sie sich den Hintern fröhlich zu Hause platt sitzen für ihr Gehalt, das wir mit unseren Steuern bezahlen. Sie bedanken sich dann gern bei den KassiererInnen im Supermarkt dafür, dass sie ihr „Leben riskieren“, während der Amtsschimmel brav zu Hause im Stall wiehert.

Unter „Kooperation“ verstehe ich auch nicht den bedingungslosen Gehorsam, den die Politik derzeit einfordert, sondern ich verstehe darunter die Einsicht, dass man freiwillig dem Anderen entgegen geht. Allerdings scheinen wir uns heute mehr gegeneinander zu bewegen, als aufeinander zu. Was ist aus dem guten alten Diskurs geworden, wohin die Diskussionskultur? Man ist entweder „Verschwörungstheoretiker“ oder aber Teilnehmer der Wahrheit. Man sondert in den sozialen Medien oder Kommentarfunktionen der Leitmedien eine Meinung ab, und kann sich dann schon ausrechnen, welches „Lager“ aufschreit und mit wüsten Beleidigungen reagiert. Kein aufeinander zu bewegen, sondern Entgegnungen feindseliger Art. Keine ergebnisoffene Diskussion, sondern ein Hauen und Stechen mit Argumenten, um den Anderen nieder zu ringen und sich selbst oben zu fühlen. Mich widert das an.

Ach ja…. „Diskussionsorgien“ auch ein hübsches Wort unserer Kanzlerin und ich frage mich, wann eigentlich der demokratische Gedanke abhanden kam. Es muss vor vielen Jahren gewesen sein und wir haben es irgendwie nicht bemerkt. Oder doch bemerkt, aber nicht wahr haben wollen. Dies führt mich zu der genialsten Wortschöpfung, die unser Gesundheitsminister erfand. Den „symptomfreien Virenträger“. Ich frage mich, was so schlimm am Virus ist, wenn so viele symptomfreie Virenträger frech damit herum laufen.

Mir wird übel, wenn ich über all das nachdenke und fast möchte ich „erwachet“ rufen, wenn auch dieses Wort nicht längst an eine merkwürdige Sekte gebunden wäre. Adieu Freiheit im gesellschaftlichen Diskurs, welcome persönliche Freiheit des Rückzugs. Womit ich bei meinem Glücksrezept bin. Nein, natürlich nicht das einzige Glücksrezept, das ich habe, aber eines der wirkungsvollsten. Natürlich ist es mein größtes Glück, mit Palma am menschenleeren Strand zu laufen, die Natur zu bewundern und die Stille zu genießen. Aber oft mache ich mir Sorgen, oder ärgerte mich vor drei Monaten noch über allerlei lästige berufliche und andere Fragen. Ich neige zum Grübeln und vermisse meinen verstorbenen Vater sehr.

Ganz zufällig habe ich entdeckt, dass ich in Momenten der Traurigkeit und Wut, der Grübeleien und des ungeduscht und schlunzig aus dem Haus Gehens, dennoch einen kleinen, günstigen und total einfach gestrickten Happymacher im Haus habe.

Meinen Lippenstift. Ja, Sie mögen jetzt leicht hysterisch auflachen und an meinem Verstand zweifeln. Tatsächlich ist mir das nicht so wahnsinnig wichtig. Denn Fakt ist, dass wenn nichts mehr hilft, der Lippenstift doch hilft. Lachend spaziere ich ungeduscht und schlunzig durch die Heidelandschaft am Meer, sobald die Lippen rot sind.

Gitter

 

Pandemie-Eier

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In den ersten Jahren unseres Landlebens habe ich nicht begriffen, warum die Bauern keine Eier an uns verkaufen wollten. Jede Frage nach Eiern wurde sofort mit einer Handbewegung weggewischt, die den Satz „wir haben nicht genug Eier, um sie zu verkaufen“ unterstreichen sollte. Also habe ich brav im Supermarkt meines Vertrauens die Bio-Eier gekauft und nicht weiter gefragt. Nun hängt vor jedem Hof ein Schild „Eier zu verkaufen“ und endlich geht mir ein Licht auf. Spät, aber besser halt spät als nie. Die Eier auf den Höfen sind natürlich immer für die Urlauber reserviert, die sich besonders freuen, wenn noch ein Federchen oder auch ein bisschen Hühnerdreck am Ei hängt. Wenn sie denn bald wieder auf die Inseln dürfen so bin ich gespannt, ob die Urlauber entspannt die Natur genießen werden, oder ob sie die Desinfektionsmittel aus den Regalen räumen, damit nicht nur Viren sondern auch alle möglichen Bakterien von Kinderhänden entfernt werden.

Ich gehöre noch zu einer Generation deren Eltern fanden, dass Dreck den Magen fegt und wir lutschten hingebungsvoll an aufgeweichtem Schlamm im Großstadtpark, machten uns einen Sport draus, die Hände vor dem Essen nicht zu waschen und wetteiferten mit aufgeschlagenen Knien. Die Sxgrotxn-Werbung der letzten Jahre hat mich immer ganz unruhig gemacht, denn ich vermute, dass die Angst vor Bakterien und Viren die nachfolgenden Generationen neurotisiert. Aber jede Bewegung hat ja zumeist eine Gegenbewegung, daher bleibe ich Optimist.

eier

stürmisch….

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… war das letzte, fast schreibfreie Jahr. Nur im Kopf habe ich Ideen gewälzt über mögliche Geschichten, mögliche Fachbücher, mögliche Blogeinträge. Und während ich so vor mich hin phantasierte stürmte ich rein in den Zug, raus aus dem Zug, rein ins Taxi, raus aus dem Taxi, rein ins Hotel undsoweiterundsoweiter. Die wenigen Momente der Ruhe bin ich sprachlos mit der kleinen Palma am Meer gelaufen und habe über den Sinn und Unsinn der mir so begegnete nachgedacht.

Das neue Jahr fing früh mit Arbeit an und das erste Mal in 29 Jahren Berufstätigkeit dachte ich nächtens in einem Hotel, während ich mit Fieber und schlimmen Husten um Luft rang, darüber nach, einen Geschäftstermin abzubrechen. Fünf Tage lag ich japsend im Bett und nun frage ich mich, ob ich nicht evtl. schon immun gegen das C-Dings bin.

Als Deutschland sich langsam herunterfuhr, verlor ich zunächst alle beruflichen Termine bis Juni. Das hat mich noch nicht so sehr beunruhigt wie die Veränderung, die mit Menschen und Medien geschah. Diese Einigkeit der Presse mit Politik und Wissenschaft in der gesamten Welt hat mich mehr irritiert, als das C-Dings. Mir wurde klar, dass ich viel mehr dazu erzogen wurde, politisch und skeptisch zu denken, als vorschnell zu glauben. Als man auch die Insel schloss, wurde ich wirklich unruhig und konnte nicht fassen, wie einfach und schnell man unsere Freiheit und unsere Bürgerrechte zur Seite legen konnte. Mit Schließung der Insel kam es hier wie auch andernorts zu hässlichen Denunziationen und Bedrohungen vermeintlich Fremder. Das nun schon ein „ortsfremdes“ Nummernschild ausreichte, um beschimpft und angezeigt zu werden, hat mich an die hässlichste Seite Deutschlands erinnert. Vermutlich ist es überall so auf der Welt und das trägt nicht zu meiner Beruhigung bei. Wäre diese Dummheit nicht so gemein, ich müsste drüber lachen.

Als ich einem Kollegen mitteilte wie sehr mich das beunruhigt und mich darüber ausließ, dass einige Volkswirte schon im Winter 2019 vor einem weltweiten Wirtschaftskollaps warnten, versah dieser Kollege mich mit einer ICD-Ziffer. Sein gutes Recht natürlich, aber die Härte der Diskussionen und die Schnelligkeit, mit der man kritische Stimmen als „Verschwörungstheoretiker“ definierte, die hat mich schon sehr verärgert und wie alle „Paranoiker“ natürlich bestärkt 😊

Nun genieße ich die ruhigen Tage auf Inselanien, das so leer ist wie sonst nie. Die Strände gehören uns alleine, ebenso die Deiche und Straßen. Dies scheinen auch die Hasen und Fasane zu bemerken, die sich zunehmend gerne dort niederlassen. Alles ist in Veränderung und wie so oft in Krisen, klären sich Verbindungen neu. Ich bin erstaunt, wie körperlich kaputt ich noch vom letzten Jahr war und wie viele Tage ich einfach nur auf dem Sofa gelegen bin, kaum fähig etwas sinnvolles wie Haushalt, Buchhaltung oder Ähnliches, zu erledigen.

Ganz langsam merke ich, wie ich berufsbedingte Deformationen ablege, wieder mehr zu mir selbst finde. Ich bin dankbar – für den Moment.

Sturm1

Prachtvoll….

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zeigt sich Inselaniens Natur, wie sie da so farbig vor sich hin wächst, blüht und ausbricht. Ich kann mich nicht satt sehen und laufe stundenlang über Deiche, durch Knicks und in Heidelandschaften herum (die allerdings natürlich noch nicht blühen).  Die kleine Palma an meiner Seite hat sich zu einem lustigen kleinen Ding entwickelt, die auch einer kleinen Rennerei, hinter Kaninchen und Fasanen her, nicht abgeneigt ist. Ein Drosselpaar hat bereits drei Küken großgezogen in unserem Hausdurchgang und bei Nachbars gibt es Zwerghühnchennachwuchs. Den werde ich mir genauer anschauen und dann dem Mann ein hinreißendes Lächeln schenken, damit er sein Herz und unseren Garten öffnet, für den Einzug einer kleinen Hühnchenherde. Eigentlich sollte Palma ja eine kleine Katze bekommen, denn sie liebt Katzen (vermutlich haben sie die Kleine groß gezogen, denn Palma kann auch Miauen). Im letzten Moment ziehe ich aber doch immer wieder zurück und bin mir nicht sicher, ob so ein Katzentier hier dann nicht zu sehr das Regiment übernimmt.

Neben all den Explosionen aus Farbe, Duft und Leidenschaft, sind es aber vor allem die Nächte, die es mir gerade angetan haben. Sie sind hier oben recht kurz in dieser Zeit und ich mag das sehr. Bis kurz vor Mitternacht ist es noch zwielichtig hell und morgens um halb vier kommt das Licht schon wieder zurück.

30mai

Frühjahrsputz

Samstags laufen wir (Frauen) ums Dorf und sammeln Müll. Das ist jährliche Tradition in Schleswig-Holstein und es ist wirklich erstaunlich, was sich in den Gräben, auf den Wegen und Wiesen so alles findet. Zumeist sind es weggeworfene Kotbeutel, Dosen, Plastikflaschen, Socken, Schlappen und es findet sich auch mal ein Eisenrohr oder ein Straßenpoller.  Die Strandkorbbesitzer wienern in den Hallen die Strandkörbe und Bagger schaufeln Tang von den Stränden. Die Insel putzt sich heraus, denn es gibt Frühjahrsferien und alles lechzt nach Licht und milden Lüften.

Fasane stolzieren wieder durchs Dorf und auf den Bäumen sitzen die Krähen, die nicht sicher sind, ob es nochmal Frost gibt.

Eine Woche habe ich durchgeatmet, bin stundenlang mit Palma über die Deiche gelaufen, habe mich über so manchen insulanischen Querkopf aufregen wollen, es dann aber doch gelassen. Ich bin in einem Alter, wo sowas Spuren im Gesicht hinterlässt. Überhaupt wird mir mit zunehmendem Alter immer deutlicher, wie wenig ich darauf vorbereitet bin.

Jetzt packe ich die Koffer für 14 Tage, reise durch die Republik und vermisse Inselanien, den Mann und Palma jetzt schon.

Brink abends